Das Buch des Bundes (I)

2.Mose 21,1 – 22,30
Leitvers 22,20

„Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.“

Durch das Studium der Zehn Gebote in der vergangenen Woche durften wir das gesegnete Leben als das heilige Volk Gottes kennen lernen. Wir durften lernen, diesen Segen für un-ser neues Leben in Christus zu ergreifen, insbesondere keine anderen Götter zu haben neben ihm, und die einflussreiche Gemeinde Gottes zu bilden.

Wir danken Gott für die deutsche Mitarbeiterkonferenz in Velbert, auf der wir mit der Vision Gottes für die geistliche Wiedererweckung in Europa ein Gefäß des Gebets für die Vorberei-tung der Europäischen Sommerbibelkonferenz 2019 bilden durften. Wir sind Gott sehr dankbar, dass das GLE Follow-Up Programm mit den ersten drei Terminen beginnen durfte und die Leiter der Nächsten Generation als selbstmotivierte Bibellehrer heranwachsen.

Heute studieren wir die Rechtsordnungen Gottes aus den Kapiteln 21 und 22. Lasst uns das Grundprinzip und den Geist der Rechtsordnungen Gottes, nämlich Gerechtigkeit und Barmherzigkeit anziehen und uns mit dem Schuldnerbewusstsein für das Heil der jungen Menschen in der Campusmission hingeben.

1. Das Grundprinzip der Rechtsordnungen Gottes (21,1 – 22,16)

Lesen wir Vers 2: „Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, so soll er dir sechs Jahre dienen; im siebenten Jahr aber soll er freigelassen werden ohne Lösegeld.“ Auch unter den Hebräern gab es Sklaven. Es kam vor, dass ein Hebräer in Not geriet und seine Schulden nicht mehr bezahlen konnte. Dann musste er sich und seine Arbeitskraft verkaufen (3.Mose 25,39). Gottes Rechtsordnungen gaben diesen Sklaven Rechte. Nach sechs Jahren Arbeit konnte der Sklave frei gehen, auch wenn niemand Lösegeld für ihn bezahlte.

Diese Vorschrift zeigt, wie Gott die Menschen behandelt. Er achtet ihre Würde und ihre freie Wahl, obwohl er selbst ihr Schöpfer ist. Insofern unterscheiden sich Gottes Rechtsordnungen von denen der Welt. In der Welt gilt gemeinhin das Römische Recht als das fortschrittlichste und vorbildlichste. Aber auch in Rom hatten die Sklaven keine Rechte. Die Ordnungen in Bezug auf Sklaven fanden sich dort im Sachenrecht. Sklaven wurden nicht anders als Gegenstände betrachtet. Sie konnten nicht einmal daran denken, freizukommen, es sei denn, jemand kaufte sie los. Gott aber gibt in seiner Rechtsordnung auch den Sklaven Rechte. Nach sechs Jahren konnte ein Sklave gehen und auch seine Frau mitnehmen. Er konnte im Bewusstsein dienen, nicht gezwungen, sondern geachtet zu sein.

Allerdings gehörte die Frau, die ihm sein Herr gegeben hatte, dem Herrn. Lesen wir die Verse 5 und 6: „Spricht aber der Sklave: Ich habe meinen Herrn lieb und meine Frau und Kind, ich will nicht frei werden, so bringe ihn sein Herr vor Gott und stelle ihn an die Tür oder den Pfosten und durchbohre mit einem Pfriemen sein Ohr, und er sei sein Sklave für immer.“ Wenn ein Herr das Vertrauen eines Sklaven gewonnen hatte, konnte sich der Sklave entscheiden, bei ihm zu bleiben. Er manifestierte seine Entscheidung, indem er sein Ohr durchbohren ließ.

Um wie viel mehr gilt dies für unsere Bindung an Gott. Gott hat uns aus der grausamen Sklaverei der Sünde durch den Kreuzestod Jesu befreit und hat uns wahre Freiheit darin gegeben, ihm zu dienen. Gottes Herzenswunsch ist es, dass wir uns für immer an ihn binden. Er möchte, dass wir seine absolute Liebe zu uns erkennen und bekennen: „Ich habe meinen Herrn lieb und will nicht frei werden, weil ich erfahren habe, dass das Leben unter der Herrschaft des Egos keine wahre Freiheit ist.“ Ich durfte die wahre Freiheit in Jesus erfahren, als ich mich mit Römer 13,14 seiner Herrschaft unterordnete und er mich von der grausamen Herrschaft der Begierde und Selbstverherrlichung befreite und mich in seinen herrlichen Dienst stellte. Jetzt kann ich bekennen: Ich habe meinen Herrn lieb, der für mich sein Leben gab, damit ich das Leben habe, und mich mein Leben lang an ihn und sein Werk der Campusmission durch UBF binde. Mein Ohr ist durchbohrt, auch wenn man es nicht sieht.

Die Verse 7-11 enthalten Regelungen zum Schutz von Sklavinnen. Sie konnte nicht einfach weggeschickt oder ausgetauscht werden, wie es die Menschen ohne Gottes Ordnungen tun. Der Herr einer Sklavin musste sich verantwortlich um sie kümmern.

Betrachten wir die Verse 12-17. Für diese Taten gab es die Todesstrafe: Totschlag, Mord, Menschenraub, Vater und Mutter schlagen und fluchen. Lesen wir Vers 12: „Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll des Todes sterben.“ Der Totschlag, also die vorsätzliche Tötung eines Menschen, wird mit dem Tod bestraft. Vers 13 unterscheidet davon den Fall der fahrlässigen Tötung: „Hat er ihm aber nicht nachgestellt, sondern hat Gott es seiner Hand widerfahren lassen, so will ich dir einen Ort bestimmen, wohin er fliehen kann.“ Wer nicht mit Vorsatz tötete, sondern aus Versehen, konnte in eine Freistadt fliehen. Wer aber mit Hinterlist mordete, sollte vom Altar weggerissen und getötet werden (14).

Vers 16 verhängt die Todesstrafe auch für den Tatbestand des Menschenraubs. Betrachten wir die Verse 15 und 17: „Wer Vater oder Mutter schlägt, der soll des Todes sterben. … Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.“ Vorschriften zu Totschlag, Mord, fahrlässiger Tötung und Freiheitsberaubung finden sich auch im deutschen Strafgesetzbuch (§§ 211,212,222,239 StGB). Gottes Rechtsordnung fügt zu diesen schweren Verbrechen hinzu: die Eltern zu schlagen oder ihnen zu fluchen. Warum ist es so ernsthaft, wenn jemand Vater oder Mutter schlägt oder Fluchworte ihnen gegenüber ausspricht? 20,12 sagt: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.“ Diese Vorschrift schützt die geistliche Ordnung. Wenn ein Kind Vater und Mutter nicht ehrt, rebelliert es gegen Gottes Ordnung. Es flucht nicht nur den Eltern, sondern Gott, und zerstört die Beziehung und die Gemeinschaft. Für die Kinder ist es manchmal nicht einfach, die Orientierung der Eltern anzunehmen. Gottes Gebot aber setzt eine klare Grenze: Sie dürfen nie damit aufhören, Vater und Mutter zu ehren.

Von Vers 18 an liegt der Schwerpunkt auf dem Deliktrecht, also um die Wiedergutmachung von angerichtetem Schaden (Schadensersatz aus unerlaubten Handlungen, vergleichbar den §§ 823 ff BGB). Vom Grundsatz her muss jeder für den Schaden aufkommen, den er einem anderen schuldhaft zugefügt hat. Betrachten wir die Verse 18 und 19: „Wenn Männer miteinander streiten und einer schlägt den andern mit einem Stein oder mit der Faust, dass er nicht stirbt, sondern zu Bett liegen muss und wieder aufkommt und ausgehen kann an seinem Stock, so soll der, der ihn schlug, nicht bestraft werden; er soll ihm aber bezahlen, was er versäumt hat, und das Arztgeld geben.“ Bei einer Körperverletzung muss der Schädiger die Verantwortung tragen und dem Geschädigten den Verdienstausfall und die Arztkosten bezahlen. Ist der Geschädigte der Sklave des Schädigers, trifft der Verdienstausfall ihn selber. Wenn die Geschädigte eine Frau ist und ihr ungeborenes Kind verliert, muss der Schädiger ein angemessenes Schmerzensgeld zahlen, dass der Ehemann be-stimmen darf (22).

In diesen Regelungen erkennen wir das Grundprinzip der Rechtsordnungen Gottes. Lesen wir die Verse 23-25: „Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde.“ Das Grundprinzip der Rechtsordnungen Gottes ist Gerechtigkeit (Justitia). Gottes Rechtsordnungen sind gerecht. Weder bleibt ein Verhalten ohne Konsequenz noch ist die Konsequenz willkürlich oder maßlos. „So sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn“ bedeutet, dass jeder nach dem Maß des Schadens einsteht, den er angerichtet hat. Diesem Grundprinzip folgen auch die nachfolgenden Rechtsordnungen von 21,26 – 22,16. Wer einen Sklaven so schwer verletzt, dass der Sklave nicht mehr damit rechnen kann, in Würde arbeiten zu können, muss ihn freilassen. Wer sein stößiges Rind nicht verwahrt oder eine offene Zisterne nicht absichert, muss dafür haften. Ein Dieb haftet vier- bzw. fünffach, weil er nicht nur die Sache, sondern auch das Eigentum geschädigt hat. Wer eine anvertraute Sache verliert, haftet je nachdem, ob er sie mutwillig unterschlagen oder fahrlässig verloren hat oder sie ihm ohne seine Schuld genommen wurde.

Diese Rechtsordnungen lehren Gottes Volk, verantwortlich zu handeln. Ein Mitarbeiter verlieh einem anderen sein Auto. Dieser passte nicht auf und baute einen Unfall. Dann meinte er zum Eigentümer: „Ach komm schon, das Auto war sowieso schon alt, und es fährt noch.“ Der Eigentümer überlegte und blieb dabei, er müsse den Schaden ersetzen. Es ging ihm nicht um das Auto, sondern darum, dass sein Glaubensbruder verantwortlichen Umgang mit dem Eigentum anderer lernte.

Von Gottes Rechtsordnungen kann keiner sagen, sie seien unfair. „Unfair“ ist es nur dort, wo es keine Ordnungen gibt. Gottes Rechtsordnungen sind gerecht. Sie sind nicht dazu gegeben, dass sich jemand dadurch bereichert. Sie sind auch nicht dazu gegeben, dass jemand persönliche Rache nimmt. Sie sind gegeben zur Gerechtigkeit. Ohne Gottes Rechtsordnungen gibt es keine Gerechtigkeit. Vielmehr herrschen Willkür und Maßlosigkeit, durch die die sündigen Menschen versuchen, ihre Begierden zu befriedigen. Vor kurzem gab es den sogenannten Dieselskandal, bei dem Autofirmen Abgaswerte gefälscht hatten. Gemäß Gottes Rechtsordnungen müssen sie den Schaden ersetzen. Doch viele wollen jetzt daraus Profit schlagen. Sogar hoffen einige Autobesitzer auf ein neues Auto. Andere Rechtsordnungen drohen mit übermäßigen Konsequenzen. In der islamischen Rechtsordnung, der Scharia, heißt es (Sure 5,38): „Der Dieb und die Diebin: trennt ihnen ihre Hände ab als Lohn für das, was sie begangen haben, und als ein warnendes Beispiel von Allah.“ Solche Rechtsordnungen richten eine Herrschaft der Furcht auf.

Gottes Rechtsordnungen dagegen richten eine gerechte Gemeinschaft auf. Gott hat sein Volk mit den allerbesten Ordnungen gesegnet. Er will, dass sie im Umgang untereinander gerecht handeln. Jesaja 56,1a sagt: „So spricht der HERR: Wahret das Recht und übt Ge-rechtigkeit.“ Jemand könnte nun sagen: Gott ist aber doch auch barmherzig. Aber nur auf der Grundlage der Gerechtigkeit Gottes gibt es Raum für Barmherzigkeit. Jesus sagte in Matthäus 5,38.39: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ Einmal besuchte ich eine Vorlesung über die Bergpredigt. Der Professor sagte zu diesem Wort Jesu: „Nehmt das nicht wörtlich, es funktioniert nicht.“ Was er meinte war: „Wenn in der Gemeinde Gottes keine Gerechtigkeit herrscht, hat es keine Bedeutung, zu versuchen, barmherzig zu sein.“ Barmherzigkeit, wie Jesus sie beschreibt, ist es, auf ein zustehendes Recht zu verzichten. In jeder unserer Gemeinschaften, sei es die Gemeinde, die Hausgemeinde, dem Bibelstudiumteam, soll zuerst Gottes Gerechtigkeit aufgerichtet werden, damit sie eine kräftige, einflussreiche Gemeinschaft voller Barmherzigkeit werden kann.

Lasst uns aufhören, nach egoistischen Begierden zu leben, nach dem eigenen Vorteil zu streben oder auf blutige Rache zu sinnen. Gottes Volk ist ein Volk mit gerechten Ordnungen. Durch seine gerechten Rechtsordnungen baut er seine einflussreiche Gemeinde auf, angefangen von jedem Zweierbibelstudiumteam.

2. Der Geist der Rechtordnungen Gottes (22,17-30)

Die Verse 17-19 stellen drei Vergehen unter besonders schwere Strafe: „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen. Wer einem Vieh beiwohnt, der soll des Todes sterben. Wer den Göttern opfert und nicht dem HERRN allein, der soll dem Bann verfallen.“ Gottes Volk sollte diese Sünden aus ihrer Mitte beseitigen. Gott würde vor ihnen die Völker austreiben, die genau diese Gräuel begingen. Gottes Volk dagegen ist heilig. Sie sind Gottes Wohnung. Er gebraucht sie als ein Königreich von Priestern für die Welt. Weisheit kommt allein von Gott und seinem Wort. Der Mensch ist nach dem Bild Gotte geschaffen und sein Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes. Und Gott allein stehen alle Opfer, aller Dank und aller Lobpreis zu.

Lesen wir Vers 20: „Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.“ Dieser Teil der Rechtsordnungen lehrt uns Got-tes Barmherzigkeit gegenüber den Bedürftigen. Hier werden Fremdlinge, Witwen, Waise und Arme genannt. Fremdlinge waren von vielen Privilegien ausgenommen. Sie haben keinen Fürsprecher im Volk und sind immer ein leichtes Ziel, wenn es darum geht, jemanden zu bedrücken. Die Israeliten standen auch in dieser Gefahr. Als sie aus Ägypten auszogen, zog viel fremdes Volk mit ihnen (2.Mose 12,38). Nun waren die Israeliten Gottes Volk geworden. Sie zogen geordnet aus und würden sich in Stämmen im verheißenen Land ansiedeln. Es konnte leicht passieren, dass sie die Fremdlinge in ihrer bedrückten, indem sie sich selbst für besser hielten. Gottes Gebot erinnerte sie daran, dass auch sie Fremdlinge in Ägyptenland gewesen waren. Es war noch nicht lange her, da waren sie selbst Fremdlinge gewesen. Sie waren nichts. Sie waren kein Volk. Alles, was sie jetzt waren, verdankten sie der Gnade Gottes. Gott hatte sie gnädig angesehen. Er hatte Ägypten geschlagen und sein Volk mit seiner mächtigen Hand herausgeführt und sie wie auf Adlerflügel getragen und sie zu sich gebracht. Sie waren Fremdlinge gewesen, die Gottes Gnade erfahren hatten. 1.Petrus 2,9.10 fassen diese Gnade wie folgt zusammen: „Ihr aber seid das aus-erwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigen-tums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst «nicht ein Volk» wart, nun aber «Gottes Volk» seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.“

Um den Geist der Rechtsordnungen Gottes zu erfassen, müssen wir uns an die Gnade Gottes erinnern. Ein junger Mann war, als er Gottes Gnade nicht kannte, voller Murren und Hadern gegenüber Gott und den Menschen. Durch die Dienerschaft der Knechte Gottes mit dem Bibelstudium und der Lebensgemeinschaft erfuhr er Wiederherstellung. Gleichzeitig erkannte er immer mehr Gottes Gnade. Wenn immer er nun um eine Dienerschaft gebeten wird, ist er bereit, weil er sich an die Gnade Gottes erinnert, dass er selbst ein hoffnungsloser Fall gewesen war, dass Gott ihn aber aus der Finsternis zum wunderbaren Licht geführt hat. Aus der Gnade wächst er jetzt zum vollmächtigen Bibellehrer.

Der Geist der Rechtsordnungen Gottes ist die Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ohne Gnade ist keine Barmherzigkeit, denn sie ist herzliche, bedingungslose Liebe und Hingabe. Auch der Humanismus lehrt, dass man sich um die Schwachen kümmern, Mitleid haben und den Witwen und Waisen und Armen Gutes tun soll. Es ist manchmal nicht einfach, diese menschliche Zuwendung von der Barmherzigkeit Gottes zu unterscheiden. Doch die menschliche Zuwendung hat immer eine Grenze. Diese Grenze wird sichtbar, wenn es um die Hingabe geht. König Saul war ein menschlich demütiger Mann. Er bemühte sich, ein guter König zu sein. Doch er konnte sein Verlangen nach eigener Ehre nicht unterdrücken. Als er sah, wie beliebt David wurde, überwältigte ihn der Neid. David wurde sein Todfeind. Wegen des Neides hasste Saul seinen eigenen Sohn. Er verließ Gott und ging zu den Totenbeschwörern. Gott musste sein Königtum verwerfen. Sein Ende war sehr elend. David dagegen war ein Mann, der Barmherzigkeit kannte. Als er König war, suchte er, Barmherzigkeit zu tun am Hause Sauls und nahm dessen Enkel Mefi-Boschet wie einen Prinzen bei sich auf. Er erinnerte sich an Gottes Gnade. Gott bestätigte sein Königtum ewiglich. Gottes Gnade, der uns, die wir selbst Fremdlinge gewesen waren, in Jesus Christus bedingungslos geliebt hat, lehrt uns Gottes Barmherzigkeit. Barmherzigkeit führt uns zur bedingungslosen Hingabe.

Was sollten die Israeliten konkret tun? Sie sollten die Fremdlinge nicht bedrängen. Sie sollten die Witwen und Waisen nicht bedrücken. Sie sollten keine Zinsen vom armen Nächsten nehmen und ihm sein lebensnotwendiges Pfand zurückgeben. Jesaja 1,17 sagt: „Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht, führet der Witwen Sache!“ Weiterhin sollten sie Gott fürchten, sich der Obrigkeit unterordnen (27), den Ertrag des Feldes nicht zurückhalten, den ersten Sohn und den Erstling des Viehs geben (28.29). Indem sie geben, erweisen sie sich als heilige Leute (30).

Wir lernen durch diese Regeln Barmherzigkeit als den Geist der Rechtsordnungen Gottes kennen. Als Apostel Paulus die Gnade Gottes in Christus erkannte, nannte er sich selbst einen Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen (Römer 1,14). Sein Schuldnerbewusstsein trieb ihn dazu, unter Einsatz seines Lebens den Heiden den Ratschluss Gottes zu verkündigen und unter ihnen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten.

Wir danken Gott für sein mächtiges Wirken in den vergangenen 38 Jahren, als der Knecht Gottes mit dem Schuldnerbewusstsein sich für die geistliche Zurüstung der Studenten und der Mitarbeiter der nächsten Generation als Zeugen der Gnade Jesu, Bibellehrer und Hirten hingab. Als vor fast 30 Jahren ein junger Mann zum Bibelstudium kam, sah er zunächst sehr hoffnungsvoll aus, aber nach und nach zeigte sich sein Hochmut und Eigensinn. Doch Gottes Knecht ließ sich nicht beirren. Er diente diesem jungen Mann mit dem Schuldnerbewusstsein durch das Jüngerschaftstraining mit dem Bibelstudium und der Lebensgemeinschaft gemäß der Hoffnung Gottes bis heute. Durch diese Hingabe haben wir das neue Leben in Christus empfangen und durften anfangen, die Lügen des Satans zu überwinden und Jesus zu folgen. Was sollen wir nun tun? Wir sollen uns mit gleicher Hingabe um die Hoffnungsträger kümmern. Jeder von ihnen ist unendlich kostbar und hat unermessliches Potential. Wir dürfen als ihre Schuldner ihnen durch das Bibelstudium helfen und sie in die Lebensgemeinschaft aufnehmen, um sie als Jünger Jesu zu erziehen.

Solange wir Schuldner sind, können wir nicht aufhören, die unbezahlbare Gnade Jesu durch die Hingabe für seine Schafherde zurückzuzahlen. Wie weit geht diese Hingabe? Wie bei Apostel Paulus geht sie bis zum Tod. Gott hat sein Volk zu einem Leben der Hingabe mit dem Schuldnerbewusstsein als Königreich von Priestern und heiliges Volk bestimmt. Dazu hat er ihnen diese gerechten Rechtsordnungen gegeben und ihnen Barmherzigkeit geboten. Lasst uns mit dem Schuldnerbewusstsein gegenüber den jungen Menschen an allen Fakultäten und Hochschulen in Bonn, Deutschland und Europa und gegenüber den Menschen in den muslimischen Ländern, uns für die Jüngererziehung durch Zweierbibelstudiumteams und Lebensgemeinschaft hingeben und als ein Königreich von Priestern gebraucht werden.

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