Paulus beruft sich auf den Kaiser

Apostelgeschichte 25,1 – 27
Leitvers 25,11

„Habe ich aber Unrecht getan und todeswürdig gehandelt, so weigere ich mich nicht zu sterben; ist aber nichts an dem, dessentwegen sie mich verklagen, so darf mich ihnen niemand preisgeben. Ich berufe mich auf den Kaiser!“

In der vergangenen Lektion haben wir erfahren, dass Gott Paulus im Gefängnis in Cäsarea auf die Mission in Rom vorbereitete. Paulus bezeugte klar seine Hoffnung, dass es eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten geben wird. Auch als der Prozess verschleppt wurde, war er ohne Bitterkeit und führte das Zweierbibelstudium für eine Seele und predigte kompromisslos die Buße und das künftige Gericht Gottes.

In der heutigen Lektion sehen wir, wie Gott nach seiner Verheißung die Tür nach Rom öffnete. Paulus ergriff im Glauben diese Gelegenheit, indem er sich auf den Kaiser berief. Gemäß seiner Verheißung will Gott auch uns gebrauchen, das Evangelium an alle Hochschulen in Europa und bis an das Ende der Erde zu bringen. Möge Gott uns helfen, durch Paullus‘ Berufung auf den Kaiser Gottes Vision zu erneuern und im Vertrauen auf seine Führung dem Wort Gottes zu gehorchen, damit Gott durch uns seinen Willen der Weltmission erfüllt.

1. Paulus‘ Verteidigungsrede vor Festus (1-12)

Der Oberst Lysias hatte Paulus wegen des drohenden Anschlags auf sein Leben nach Cäsarea geschickt. Paulus blieb zwei Jahre dort. Dann wurde der Statthalter Felix durch Porzius Festus ersetzt. Nach drei Tagen zog dieser nach Jerusalem. Sofort erschienen die Hohenpriester und die Angesehensten der Juden vor ihm gegen Paulus und baten ihn, Paulus nach Jerusalem kommen zu lassen, scheinbar um ihn zu verhören. Sie wollten ihm aber einen Hinterhalt legen und ihn unterwegs umbringen.
Hier sehen wir, dass der Hass der Feinde des Paulus auch nach zwei Jahren nicht geringer geworden war. Wäre es nur eine menschliche Auseinandersetzung oder ein theologischer Streit gewesen, hätten sie diesen längst vergessen. Doch dieser Hass hatte kein Ende. Es war ein unbarmherziger Hass, der immer weiter brannte. Dies ist der Hass des Teufels. Der Teufel hasst Jesus, das Licht der Welt. Dieser Hass füllt auch die Feinde Gottes. Wegen des Hasses des Teufels haben sie keine Ruhe. Solange ihre Werke böse sind, müssen sie das Licht der Wahrheit in den Gläubigen hassen und sie verfolgen. Paulus konnte das verstehen. Er selbst hatte diesen Hass erfahren. Es hatte ihm, als er noch nicht an Jesus glaubte, nicht genügt, die Christen in Jerusalem zu verfolgen und ins Gefängnis zu werfen. Er hatte sich auch Briefe für die anderen Städte geben lassen, um auch dort Männer und Frauen zu ergreifen und vor Gericht zu bringen. Doch der auferstandene Jesus war ihm vor Damaskus begegnet. Jesus hatte diesen ärgsten Verfolger besucht und ihn bedingungslos umarmt und ihn als seinen Apostel berufen. Jesus nahm allen Hass von Paulus und füllte ihn mit der Liebe Gottes. Paulus wurde ein Diener Gottes, der mit dem brennenden Herzen denen, die vom Satan betrogen waren, das rettende und befreiende Evangelium der Gnade Jesu Christi bezeugte.

Festus wusste nichts von diesem geistlichen Kampf, als er mit der Bitte der jüdischen Oberen konfrontiert wurde. Gott aber wachte über Paulus und über sein Werk. Er gebrauchte den Römer Festus, um Paulus und sein Werk zu schützen. Lesen wir die Verse 4 und 5: „Da antwortete Festus, Paulus werde weiter in Gewahrsam gehalten in Cäsarea; er selber aber werde in Kürze wieder dahin ziehen. Die nun unter euch ermächtigt sind, sprach er, die lasst mit hinabziehen und den Mann verklagen, wenn etwas Unrechtes an ihm ist.“ Festus war ein Mann der Prinzipien. Er hielt sich an den römischen Rechtsgrundsatz, einen Angeklagten nicht zu verurteilen, ohne beide Seiten gehört zu haben (audiatur et altera pars; 16). Doch Festus war hier nur scheinbar der Herr des Verfahrens. Er war in Wahrheit ein Werkzeug in der Hand Gottes. Der souveräne Gott schütze Paulus. Wäre Paulus nach Jerusalem gebracht worden, wäre er dort umgebracht worden. Gott aber wollte ihn bewahren, um ihn nach Rom zu bringen (23,11). Das war nicht Paulus‘ eigene Entscheidung, sondern der souveräne Wille Gottes. Unser Gott ist souverän. Der Hass der ganzen Welt zusammen genommen kann nicht verhindern, dass der Wille Gottes geschieht. Martin Luther dichtete: „Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir und nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.“

Nach zehn Tagen zog Festus wieder nach Cäsarea. Die jüdischen Oberen kamen mit ihm. Festus setzte sich am nächsten Tag auf den Richterstuhl und ließ Paulus holen. Lesen wir Vers 7: „Als der aber vor ihn kam, umringten ihn die Juden, die von Jerusalem herabgekommen waren, und brachten viele und schwere Klagen gegen ihn vor, die sie aber nicht beweisen konnten.“ Viele der Juden waren mit von Jerusalem herabgekommen. Sie umringen Paulus und brachten dabei viele und schwere Klagen gegen ihn vor. Gemäß Vers 8 klagten sie ihn an, gegen das jüdische Gesetz verstoßen, den Tempel entweiht und sich gegen den Kaiser aufgelehnt zu haben. Auch wenn sie die Klagen nicht beweisen konnten, übten ihre Anklagen großen Druck aus. Wie reagierte Paulus und wie reagierte Festus?

Lesen wir Vers 8: „Paulus aber verteidigte sich: Ich habe mich weder am Gesetz der Juden noch am Tempel noch am Kaiser versündigt.“ Paulus ließ sich nicht einschüchtern. Er verteidigte sich mit klarer Stimme: „Ich habe mich weder am Gesetz der Juden noch am Tempel noch am Kaiser versündigt.“ Trotz der Drohungen blieb Paulus ruhig und fest. Er konnte so ruhig bleiben, weil sein Gewissen rein war. Sein Gewissen war unverletzt vor Gott und den Menschen. Er brauchte sich vor den grimmigen Blicken und drohenden Worten nicht zu beugen, sondern stand aufrecht vor ihnen, auch wenn er allein war und sie viele waren.
Diese Haltung finden wir bei unzähligen Glaubenszeugen durch die Geschichte hindurch, die zu Unrecht verklagt worden sind. Martin Luther wurde 1521 auf dem Reichstag in Worms vor dem Kaiser von Fürsten und Bischöfen umringt, mit der Verurteilung als Ketzer bedroht und zum Widerruf seiner Lehren aufgefordert. Luther bekannte, dass sein Gewissen im Wort Gottes gefangen war. Er antwortete ruhig und klar, dass er nur widerrufen werde, wenn er durch die Heilige Schrift überzeugt werden würde. Seine Haltung ist noch heute ein Vorbild für viele Christen. Früher oder später wird jeder, der fromm leben will, mit falschen Anschuldigungen konfrontiert. Manche reagieren schon vorher furchtsam und ziehen sich zurück. Diejenigen aber, deren Gewissen im Wort Gottes gefangen ist, erfahren den Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft und dürfen als seine Zeugen aufrecht stehen bleiben.

Festus reagierte anders auf die dramatische Anklage der Juden. Lesen wir Vers 9: „Festus aber wollte den Juden eine Gunst erweisen und antwortete Paulus und sprach: Willst du hinauf nach Jerusalem und dich dort in dieser Sache von mir richten lassen?“ Festus war zwar ein Mann der Prinzipien, aber er war auch ein Politiker. Als er sah, wie schwer die Juden Paulus verklagten und wie wichtig ihnen diese Sache zu sein schien, sah er darin eine gute Gelegenheit, ihnen eine Gunst zu erweisen und sich von Anfang an bei ihnen beliebt zu machen. Er dachte nicht mehr an die römischen Rechtsgrundsätze wie „in dubio pro reo“, sondern an seinen politischen Vorteil. Ausgewogenheit aufgrund menschlicher Vernunft hat ihre Grenze. Sobald der Druck steigt, vergisst sie ihre Wertmaßstäbe und sucht doch nur noch ihren eigenen Vorteil. Sich auf solche Menschen zu verlassen ist so töricht wie sich mit seinem ganzen Gewicht auf ein trockenes Schilfrohr zu stützen.

Für Paulus war diese Situation sehr kritisch. Die Haltung des Festus und der Aufenthalt in Cäsarea waren sein Schutz gewesen. Jetzt bröckelte dieser Schutz weg. Aber Paulus dachte nicht so. Er war nicht schutzlos. Er dachte auch nicht negativ über seine Lage. Die neue Lage war für ihn kein Schicksalsschlag, sondern eine goldene Gelegenheit, dass sich Gottes Verheißung erfüllt. Darum entschied er sich, sich auf den Kaiser zu berufen.

Lesen wir die Verse 10 und 11: „Paulus aber sprach: Ich stehe vor des Kaisers Gericht; da muss ich gerichtet werden. Den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie auch du sehr wohl weißt. Habe ich aber Unrecht getan und todeswürdig gehandelt, so weigere ich mich nicht zu sterben; ist aber nichts an dem, dessentwegen sie mich verklagen, so darf mich ihnen niemand preisgeben. Ich berufe mich auf den Kaiser!“ Zuerst tadelte Paulus Festus für seine mangelnde Standhaftigkeit. Dann berief er sich auf den Kaiser. Als römischer Bürger hatte Paulus das Recht, sich auf den Kaiser zu berufen. Dieses Recht stammte noch aus der Zeit der Republik. Damals waren die Volkstribune höchste richterliche Instanz, später ging diese Befugnis (tribunicia potestas) auf den Kaiser über. Es sollte die Bürger vor ungerechten Urteilen schützen. Paulus aber ging es nicht darum, vom Kaiser gerecht behandelt zu werden. Zu jener Zeit hieß der Kaiser Nero und war alles andere als gerecht. Paulus ging es gar nicht um sich selbst. Es ging ihm vielmehr darum, dass das Evangelium nach Rom gelangte. Was lehrt uns Paulus‘ Entscheidung, sich auf den Kaiser zu berufen?

Erstens: Gottes Vision „Ich berufe mich auf den Kaiser“ zeigt, dass Paulus in Gottes Vision lebte.

Zu jeder Zeit der Geschichte hatte Gott die Erlösung im Sinn, nämlich die Erlösung aller Menschen. Er berief Abraham, um ihn zum Segen für alle Geschlechter auf Erden zu machen (1.Mose 12,2.3). Er schloss mit Israel seinen Bund, damit sie ein Königreich von Priestern für alle Völker seien (2.Mose 19,5.6). Als Jesus zum Himmel auffuhr, gebot er seinen Aposteln, seine Zeugen zu sein in Jerusalem, ganz Judäa, Samarien und bis an das Ende der Erde (1,8). Einige Zeit aber blieb das Wirken Gottes auf Jerusalem und die Juden in der Zerstreuung beschränkt. Paulus aber nahm Gottes Berufung auf, den Gehorsam des Glaubens auch unter den Heiden aufzurichten (Römer 1,5). Als er Gottes Herz erkannte, brannte der Wunsch in ihm, nach Rom zu gehen. Auf der dritten Missionsreise sagte er: „Wenn ich dort gewesen bin, muss ich auch Rom sehen“ (19,21). Der auferstandene Jesus besuchte ihn bei seiner Gefangennahme in Jerusalem und sicherte ihm zu: „Wie du für mich in Jerusalem Zeuge warst, musst du auch in Rom Zeuge sein“ (23,11). „Rom“ bedeutete für Paulus die ganze Welt. Seine Vision war es, dass sich das Evangelium in die damalige Welthauptstadt und von dort bis an das Ende der Erde ausbreitete. Als Paulus wahrnahm, dass die Berufung auf den Kaiser ihn nach Rom führen würde, sah er die Tür offen für die Evangelisation der ganzen Welt.

Paulus‘ Vision war nicht eng, darum war auch sein Herz nicht eng. Das Glaubensleben vieler Christen leidet darunter, dass sie Gottes Vision nicht sehen. Sie sehen nur ihre eigenen begrenzten Fähigkeiten und Möglichkeiten. So leben sie individualistisch, statt den Leib Jesu mit zu bauen. Was ist Gottes Vision? Wir sehen Gottes Vision in Hesekiel 37: Der Prophet Hesekiel stand in seiner Vision auf einem Feld voller Totengebeine. Gott befahl ihm zu predigen. Er gehorchte. Da kam der Odem in die Gebeine und sie stellten sich auf ihre Füße, ein überaus großes Heer. Dies war Gottes Vision nicht nur für ein paar Gebeine, sondern für das Volk Israel und für die Weltmission.

Ein junger Mann aus traditionellem christlichem Haus kam zum Studium in eine fremde Stadt. Seine Vision war es, ein Professor zu werden und seinen Namen auf einen Buchdeckel gedruckt zu sehen. Gottes Wort aus Lukas 5,10b sprach ihn an: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen.“ Er empfing Gottes Vision und traf eine Entscheidung, auf Gottes Führung zu vertrauen und dieser Orientierung zu folgen. Angefangen vom Zweierbibelstudium und der Lebensgemeinschaft gebrauchte Gott ihn, seine Familie geistlich zu erwecken und einige hervorragende Studenten auf den Weg der Nachfolge Jesu zu führen. Gott stellte durch ihn eine gott- und missionszentrierte Hausgemeinde auf, die verantwortlich für das Werk Gottes zusammen arbeitet. Er betet dafür, zur Zeit Gottes in Ägypten einen Stützpunkt für das Zweierbibelstudium zu errichten und die muslimischen Länder mit dem Evangelium zu erobern. Gott wirkt durch die Menschen, die in der Vision Gottes leben und bereit sind, sich auf den Kaiser zu berufen.

Zweitens: Paulus‘ Glaube.

Paulus war ein Mann des Glaubens. Er suchte jede Gelegenheit, dem Willen Gottes zu gehorchen und war bereit, den Preis dafür zu bezahlen. Die Berufung auf den Kaiser war für ihn nicht einfach. Er musste dem Statthalter klar widerstehen. Es widersprach auch seinem jüdischen Stolz. Doch Paulus hatte seinen Stolz geopfert. Er erkannte sich selbst als auserwähltes Werkzeug Gottes, den Namen Jesu vor Statthalter, Könige und Heiden zu tragen. Durch den Glauben berief er sich auf den Kaiser. Durch solchen Glauben gelangte das Evangelium bis nach Rom und von dort in alle Welt. Schicksalhaft denkende Menschen unterscheiden sich von Menschen des Glaubens dadurch, dass sie nicht leiden wollen. Der Glaube aber ist bereit, alles zu geben für das Werk Gottes.

Gottes Werk ist ein Werk des Glaubens. Gott bereitet den Weg, den die Gläubigen im Glaubensgehorsam gegenüber seinem Wort gehen. Glaube besteht aus Demut, Hingabe und Gehorsam. Durch einen Menschen des Glaubens kann Großartiges geschehen.

Gottes Knecht Missionar Dr. Peter Chang stand nach seiner Promotion 1988 vor der Frage nach der weiteren Orientierung. Als er die Führung Gottes suchte, gab Gott ihm Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Mit der Vision für die Jüngererziehung unter den deutschen Studenten entschied er sich, im absoluten Vertrauen auf Gottes Führung dem Wort Gottes zu gehorchen und vollzeitig der Campusmission zu dienen. Obwohl diese Entscheidung risikoreich war, erwies sie sich als der Weg, dass der Wille Gottes zur Campusmission sich erfüllte, indem Gott das Leben der Studenten und der nächsten Generation um 180 Grad veränderte und sie als globale geistliche Leiter für die Weltmission aufstellte. Mittlerweile hat Gott durch Nehemia 2,18 ein Zentrum für die Europa- und Moslemmission aufgerichtet. Mit Hesekiel 37,10 hat er das Gebetsgefäß für das Zweierbibelstudium an jeder Fakultät aufgerichtet und viele Leiter mobilisiert, sich als lebendige Steine zur heiligen Priesterschaft zu erbauen und den Leib Christi für die geistliche Wiederherstellung und Wiedererweckung zu bilden. Gott segnet die Entscheidung eines Menschen, auf ihn zu vertrauen und Gottes Wort zu gehorchen, koste es, was es wolle.

Unter den Christen in Europa gibt es viele, die zwar schon lange ein Glaubensleben führen, die aber nie eine Entscheidung getroffen haben, Gottes Wort zu gehorchen. Sie werden immer älter und gehen irgendwann in Pension. Ein Mann des Glaubens wie Paulus aber zieht immer weiter und nimmt immer zu in dem Werk des Herrn. Natürlich wird auch er älter, aber seine Entschlossenheit und seine Hoffnung werden immer klarer. Hier sollen wir uns prüfen, ob wir schon in jungen Jahren innerlich aufgegeben haben und nur noch für uns selbst leben: für Schule, Studium, Beruf, Familie, Kinder, Haus, Gesundheit – oder ob wir auf Gottes Fürsorge vertrauen und dem Wort Gottes aus Hesekiel 37,10 gehorchen und alles für sein Werk der Weltmission geben. „Ich berufe mich auf den Kaiser“ soll unser Weckruf sein, mit klarer Entschlossenheit zu denjenigen zu gehören, durch die Gott Europa geistlich erneuert und wieder als einen Missionare aussendenden Kontinent gebraucht und die am Ende wie Paulus siegreich am Ziel ankommen.

2. Agrippa und Festus (13-27)

Nach einigen Tagen kamen König Agrippa (Herodes Agrippa II.) und Berenike nach Cäsarea, den neuen Statthalter zu begrüßen. Als sie mehrere Tage dort waren, legte Festus dem König die Sache des Paulus vor. Er berichtete von den Anklagen der Juden. Er sprach auch von seiner Überraschung über die Art der Anklage. Sehen wir uns die Verse 18 und 19 an: „Als seine Ankläger auftraten, brachten sie keine Anklage vor wegen Vergehen, wie ich sie erwartet hatte. Sie hatten aber Streit mit ihm über einige Fragen ihres Glaubens und über einen verstorbenen Jesus, von dem Paulus behauptete, er lebe.“ Obwohl Festus ein Römer und neu im Land war, hatte er doch genau verstanden, was der Kernpunkt des Zeugnisses des Paulus war: dass Jesus lebt. Der Unterschied zwischen einem fruchtlosen Leben, wie es die jüdischen Oberen führten, und einem siegreichen und einflussreichen Leben, wie es Paulus führte, ist der Glaube an die Auferstehung Jesu. Der auferstandene Jesus hatte Paulus besucht und ihn als seinen Apostel berufen. Der auferstandene Jesus hatte ihn bis hierher geführt und nun sogar den Weg nach Rom geöffnet. Paulus glaubte, dass Jesus lebt und ihn sicher bis ans Ende führen und ihm die Krone des Lebens geben würde. Jesus lebt. Er ist von den Toten auferstanden. Das frühmorgendliche Gebetsgefäß und die fakultätsweise Zusammenarbeit für das Zweierbibelstudium zeugen davon, dass Jesus lebt. Dass Missionar Isaac und Missionarin Rebecca Kim im Alter von fast siebzig Jahren nach vielen Jahren der Hingabe in diesem Monat ein neues Zentrum in Akron, Ohio eröffnen, zeugt davon, dass Jesus lebt. Dass Hirte Martin Kronen sich als Gebetsdiener für die Campusmission zur Verfügung gestellt hat, zeugt davon, dass Jesus lebt. Die Auferstehung Jesu ist das mächtige Zeugnis eines Gläubigen, das Jesus verherrlicht und zu den Herzen der Menschen spricht, nicht nur in der Osterzeit.

Die Verse 20-27 berichten von Festus‘ Dilemma, einen Gefangenen nach Rom senden zu müssen ohne eine klare Anklage formulieren zu können. Festus wäre nicht in diesem Dilemma gefangen gewesen, wenn er gewusst hätte, dass der souveräne Gott Paulus nach Rom sandte, um dort das Evangelium zu verkündigen. Auch Festus selbst und Agrippa und auch die Juden waren nur Werkzeuge, den Willen Gottes zu erfüllen. In der Tat blieb Festus nur zwei Jahre Statthalter in Judäa. Man kann sagen, dass er nur dazu Statthalter wurde, Paulus die Reise nach Rom zu ermöglichen. Wer an den souveränen Gott glaubt, für den gibt es keine Zufälle. Für den ist auch die derzeitige Geschichte mit allen ihren weltpolitischen Entwicklungen nur die Umgebung dafür, dass Gott seinen Willen zur Weltmission durch viele Bedrängnisse hindurch erfüllt.

Heute lernen wir, dass Gott nach seiner Verheißung den Weg für das Evangelium nach Rom öffnete. Wir lernen von Paulus‘ Berufung auf den Kaiser, der Führung Gottes völlig zu vertrauen und Gottes Berufung um jeden Preis zu gehorchen. Möge Gott jeden von uns segnen, mit dem absoluten Vertrauen auf seine Führung Hesekiel 37,10 zu gehorchen und das Evangelium an alle Hochschulen in Europa und bis an das Ende der Erde zu bringen.

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