Das Gleichnis von den ungleichen Söhnen (Matthäus 21,31)

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DAS GLEICHNIS VON DEN UNGLEICHEN SÖHNEN

Matthäus 21,23 – 32
Leitvers 21,31

„Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie antworteten: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.“

In der vergangenen Woche sind wir durch die Botschaft von Missionarin Park groß ermutigt worden, dem Herrn mit ganzem Herzen zu dienen. Weil viele Könige Israels im Kompromiss mit dem Götzendienst lebten, wurde das Volk immer mehr verdorben. Aber ein König, Asa, der mit ganzem Herzen dem Weg des Herrn folgte, konnte einen guten Einfluss auf das Volk ausüben, sodass sie im Frieden leben konnten. In Europa wird das geistliche Erbe immer mehr durch den Einfluss von Humanismus und Liberalismus zerstört, sodass Gott bestenfalls noch eine Nebenfigur zu sein scheint. Lasst uns die eine Person sein, die Gott von ganzem Herzen dient und durch die Gott Europa geistlich wiedererwecken und als Hirtennation für die Weltmission gebrauchen kann.

In der heutigen Lektion geht es um Jesu Warnung an die religiösen Leiter seiner Zeit, die Jesu Vollmacht ablehnten. Jesus offenbarte ihre Unaufrichtigkeit und Falschheit, indem er sie mit ihrer Haltung gegenüber Johannes dem Täufer konfrontierte. Jesus warnte sie durch das Gleichnis von den ungleichen Söhnen sehr ernsthaft, dass sie nicht in das Reich Gottes kommen würden. Auch wir als Christen sollen durch dieses Gleichnis Gottes Warnung hören. Gott sieht nicht unsere schönen Worte, sondern ob wir mit Gottesfurcht den Willen Gottes erfüllen. Lasst uns zu den gehorsamen Kindern Gottes gehören, die Gott fürchten und ein seliges und fruchtbringendes Leben führen.

1. Jesu Vollmacht und das Dilemma der religiösen Leiter (23-27)

Nachdem Jesus am Vortag die Händler und Wechsler aus dem Tempel hinausgetrieben und den Verkauf von Opfertieren und Geldwechslerei verboten hatte, waren die Hohenpriester und religiösen Leiter des Tempels alarmiert und sehr ärgerlich gegenüber Jesus. Sie wollten das Werk Jesu stoppen und wollten ihn vor den Menschen schlecht machen. Jesus kam an diesem Morgen wieder früh in den Tempel und lehrte dort das Volk. Jesus war kein politischer König, der sich um seine Macht oder seine Sicherheit gesorgt hätte. Er war der geistliche König, der kam, um die Menschen das Wort Gottes zu lehren und sie so zu dem Reich Gottes zurückzuführen. Er war ein guter Hirte für die Schafherde Gottes.

Als Jesus an diesem Tag im Tempel lehrte, unterbrachten ihn plötzlich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes. Sie stellten sich in ihren schönen langen Gewändern und mit ihren hohen Mützen vor Jesus auf und wollten zeigen, dass sie viel besser und höher als Jesus waren und dass er eigentlich gar kein Recht hatte, überhaupt etwas im Tempel zu lehren, geschweige denn zu befehlen. Sie forderten ihn mit einer schwierigen Frage, nach seiner geistlichen Vollmacht heraus (Vers 23b): „Aus welcher Vollmacht tust du das und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?“ Weil sie nicht inhaltlich mit Jesus streiten konnten, versuchten sie auf diese Weise seine Legitimation in Frage zu stellen. Diese religiösen Leiter erinnern uns sehr an die Untersuchungskommission, die einst Johannes den Täufer herausforderte, als dieser die Menschen im Jordan taufte und ihn fragten, ob er der verheißene Messias wäre oder nicht.

Jesus erkannte sofort, dass sie kein geistliches Motiv hatten und auch keinen Wunsch besaßen, die Wahrheit zu erfahren, sondern lediglich Jesus durch diese Frage in eine Ecke drängen wollten. Jesus war nicht naiv und ließ sich nicht auf ihre Frage ein. Vielmehr stellte er ihnen eine geschickte Gegenfrage. Betrachten wir die Verse 24 und 25: „Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch eine Sache fragen; wenn ihr mir die sagt, will ich euch auch sagen, aus welcher Vollmacht ich das tue. Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen?“ Mit dieser Gegenfrage richtete Jesus den Fokus des Streitgesprächs weg von seiner Person, auf den Inhalt der Predigt und auf die Haltung der Leiter gegenüber der Bußpredigt. Jesus wusste genau, dass sie schon damals bei Johannes dem Täufer ihre Unbußfertigkeit unter Beweis gestellt und seiner Predigt nicht geglaubt hatten. Schon dort hatten sie gezeigt, dass sie nicht geistlich, sondern politisch gesinnt waren und sich die Wahrheit so zurechtbogen, wie es ihnen am besten passte.

Durch die Frage Jesu gerieten die Hohenpriester und Ältesten nun in eine Zwickmühle. Würden sie sagen, dass Johannes Taufe vom Himmel war, dann müssten sie sich vorhalten lassen, dass sie ihm nicht geglaubt hatten. Dann würde ihre ganze Rebellion und Selbstverteidigung gegen den guten Willen Gottes offenbar werden und sie müssten Buße tun. Andererseits konnten sie auch nicht sagen, dass es bloß eine menschliche Sache gewesen wäre, weil das Volk Johannes den Täufer, der in der Zwischenzeit als Märtyrer gestorben war, für einen Propheten hielt. So antworteten sie nach langer Beratung aus ihrem politischen Kalkül heraus: „Wir wissen es nicht.“

Ihre Antwort schien ehrlich zu sein, aber sie betrogen sich selbst. Sie kannten die Wahrheit, aber sie taten nicht Buße. Sie fürchteten die Menschen mehr als Gott. Wegen ihrer Unbußfertigkeit und Berechnung antworteten sie: „Wir wissen’s nicht.“

Was antwortete Jesus nun diesen unbußfertigen Leitern auf ihre ursprüngliche Frage? Vers 27b sagt: „Da sprach er zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.“ Jesus gab ihnen keine Antwort, weil ihr Motiv falsch war und sie keinen Wunsch hatten, die Wahrheit zu erkennen. Wenn jemand ein unbußfertiges Herz hat, kann er nichts von Jesus erwarten. Jesus offenbarte sich einer moralisch anstößigen Frau aus Samarien, die aber den brennenden Wunsch hatte, dem Messias zu begegnen. Jesus offenbarte sich dem Blindgeborenen, der an der erkannten Wahrheit Gottes festhielt. Aber Jesus ließ diese religiösen Leiter ohne Antwort stehen, weil ihr Herz nicht bußwillig war.

In Johannes 7,17 sagte Jesus: „Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.“ Hier sagte Jesus, dass Gott uns geistliche Einsicht gibt, wenn wir einen klaren Wunsch haben, Gottes Willen zu tun. In diesem Sinne war das Problem der Leiter, dass sie Gott nicht fürchteten und nicht den Willen Gottes tun wollten.

2. Das Gleichnis von den ungleichen Söhnen (28-32)

Danach erzählte Jesus diesen religiösen Leitern ein Gleichnis von zwei ungleichen Söhnen, um ihre falsche Herzenshaltung und ihre Unbußfertigkeit zu offenbaren. In diesem Gleichnis hatte ein Mann zwei Söhne und er bat den ersten Sohn, dass er heute in seinem Weinberg arbeiten möge. Vielleicht war es gerade Erntezeit und die Früchte mussten unbedingt eingebracht werden, sodass es viel Arbeit gab. Dieser Vater hoffte, dass sein Sohn mit Freude und Begeisterung arbeiten und zu einem tüchtigen Mann heranwachsen würde. Doch dieser erste Sohn war in seinem Herzen sehr rebellisch und sagte zu seinem Vater klipp und klar: „Nein, ich will nicht.“ Er war so frech und hochmütig, sodass er sich nicht einmal bemühte eine Ausrede zu finden, sondern seine rebellische Meinung einfach dem Vater ins Gesicht sagte. Doch nachdem er weggegangen war, dachte er über sein Verhalten und den Wunsch des Vaters nach. Er dachte auch darüber nach, dass er nun den ganzen Tag nutzlos verbringen würde. Schließlich tat er Buße, dass er seinen Vater verletzt und zurückgewiesen hatte. Er wollte doch seinem Vater gefallen und gehorchen und so ging er mit bußfertigem Herzen dann doch noch zum Weinberg und begann dort fleißig zu arbeiten.

Der Vater war unterdessen zum zweiten Sohn gegangen und bat auch diesen, dass er im Weinberg arbeiten möge. Dort hörte er eine sehr respektvolle und scheinbar demütige Antwort: „Ja, Herr“. Der zweite Sohn war sofort bereit. Er nannte seinen Vater sogar „Herr“. Er schien wirklich ein idealer und gehorsamer Sohn zu sein. Doch nachdem der Vater weggegangen war, änderte sich seine Haltung schlagartig. Er dachte darüber nach, dass es eine Zeitverschwendung wäre, im Weinberg zu arbeiten und dass es noch so viel Interessantes zu tun gäbe. Schließlich ging er nicht hin. Wir erfahren nicht genau, warum er seine Meinung änderte. Tatsache ist, dass er weder Furcht vor seinem Vater noch Liebe zu ihm hatte. Er sagte „Ja, Herr“, aber in seinem Herzen regierte nur sein Ego.

Nun stellte Jesus seinen Zuhörern die Frage, wer von den beiden wohl den Willen des Vaters getan habe und alle antworteten im Chor, dass es natürlich der erste Sohn war, weil er Buße getan und praktisch gehorcht hatte. Die erste äußere Reaktion und die schönen Worte des zweiten Sohnes war nur eine äußere Fassade gewesen. Aber im Herzen hatte nur der erste Sohn seines Vaters Gebot aufgenommen und ihm gehorcht.

Jesus sagte dann als Schlussfolgerung: „Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.“ Hier waren die Zöllner und Huren wie der erste Sohn, weil sie sich zuerst auf dem sündigen Weg befanden, in Rebellion gegen Gott lebten. Aber als sie die Bußpredigt von Johannes dem Täufer hörten, kehrten sie um. Sie waren vergebene Sünder, die Gott fürchteten und kämpften, um von nun an Gott zu gefallen. Die religiösen Leiter hingegen waren wie der zweite Sohn, die anfangs Ja zu Gottes Weg sagten, aber praktisch ohne Buße lebten und Gott nicht gehorchten, sondern ihre eigenen Dinge taten. Sie dachten selbstgefällig, dass sie schon in Ordnung wären. Aber ihre Haltung vor Gott war nicht in Ordnung. Vers 32 sagt: „Denn Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht, aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr’s saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, sodass ihr ihm dann auch geglaubt hättet.“

Wir lernen hier, dass vor Gott unser praktischer Gehorsam entscheidend ist. Nur wenn wir mit Gottesfurcht seinem Willen praktisch gehorchen, können wir Gott gefallen.

Der Glaubensvater Abraham gehorchte dem Willen Gottes. Gott zu gehorchen bedeutete für ihn, seinen eigenen Sohn zu opfern. Es musste für ihn unendlich schwer gewesen sein, aber weil er Gott fürchtete, gehorchte er seiner Anweisung absolut. Gott selbst erkannte seinen Glauben an und stellte ihn als Glaubensvater für alle Völker auf. 1.Mose 22,12b sagt: „…denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen.“

Für Jesus bedeutete Gott zu gehorchen, dass er sein eigenes Leben als ein Opferlamm für die Sünder am Kreuz hingeben sollte. Jesus kämpfte im Gebet in Gethsemane. Er kämpfte aber nicht, um seinen eigenen Willen durchzusetzen, sondern um sich selbst dem Willen Gottes ganz unterzuordnen. Weil er Gott fürchtete, konnte er alle Leiden wie ein Lamm still ertragen, bis dahin, dass er von seinem himmlischen Vater verlassen werden musste. Aber Jesus gehorchte bis zum Ende, weil er Gott fürchtete und ist so für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Bei der Jüngerschaftsfahrt in Südfrankreich durften wir den Glauben der Hugenotten etwas kennenlernen. Sie haben ihren Glauben nicht verleugnet, obwohl sie dafür Gefängnis, Galeere oder sogar den Tod in Kauf nehmen mussten. Marie Durant hat 38 Jahre ihres Lebens mit ihren Mitstreiterinnen im finsteren Gefängnis ausgehalten, ohne ihren Glauben aufzugeben. Wie konnten sie mit solcher absoluten Haltung an ihrem Glauben festhalten? Es war, weil sie Gott fürchteten und vor Gott lebten, obwohl sie so viel Verfolgung deswegen erleiden mussten.

Ich kenne einen Jungen, der sehr fähig ist. Er wollte seine Fähigkeit gebrauchen, um sich selbst reich zu machen. Aber als er Gottes Tadel hörte, zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten, tat er Buße und entschied sich, sein Geld viel lieber für Gottes Werk zu geben. Er kämpft mit Gottesfurcht, Gott zu gefallen, indem er stets sein klares Zeugnis des Wirkens Gottes ablegt, sei es durch die Stellungnahme oder sogar vor seinen Mitschülern und Lehrern.

Sprüche 1,7 sagt: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht.“ Unser menschliches Wesen rebelliert oft gegen den Willen Gottes und will nicht gerne gehorchen. Wenn wir auf unseren eigenen Willen hören, dann lautet unsere Antwort oft: „Nein, ich will nicht.“ Aber wenn wir Gott fürchten, dann können wir unseren eigenen Willen in den Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes gefangen nehmen. Dann können wir Buße tun, Gott gehorchen und Gott erfreuen und so ein Gott verherrlichendes Leben führen.

Der zweite Sohn ist nicht nur eine Warnung für die damaligen religiösen Leiter, sondern auch für die Christen von heute. Allein auf dem Papier zu einer Kirche zu gehören, hat keine Bedeutung, wenn wir nicht Jesus die Herrschaft gegeben, wenn wir nicht Gott fürchten und ihm praktisch gehorchen, sondern nur unserem eigenen Ego folgen. Gott hat uns vor allem die Campusmission als unseren Weinberg anvertraut. Lasst uns mit Gottesfurcht unsere Aufgabe von ganzem Herzen erfüllen und viele gute Früchte zu Gott bringen.

Unser Kontinent Europa ist auch wie der zweite Sohn. Durch die Gnade Gottes kam Apostel Paulus zuerst nach Europa und so wurde Europa zu einem christlichen Kontinent verändert. Aber obwohl wir „ja“ gesagt haben und noch immer über eine reiche christliche Tradition verfügen, gehen wir nicht mehr praktisch in die Weinberge. Wir fürchten Gott nicht. Wir leben nicht mehr mit der Mission Gottes. So werden wir den Segen Gottes verlieren. Gott gebrauche unser Zweierbibelstudium, dass die jungen Menschen in Europa Buße tun und Gott wieder praktisch gehorchen, dass unser Kontinent geistlich erweckt als Hirtennation für die Weltmission gebraucht werden darf.

Heute haben wir Jesu Warnung gehört, nicht nur mit den Worten, sondern mit der Tat Buße zu tun und Gottes Wort zu gehorchen. Nur diejenigen, die Buße tun, werden in das Reich Gottes kommen. Lasst uns dem Wort Gottes mit heiliger Furcht gehorchen und so als Hirten und Bibellehrer von Gott gebraucht werden. Lasst uns durch Buße zu Gott umkehren, sodass Europa geistlich erweckt noch einmal als eine Hirtennation für die Weltmission gebraucht werden kann.

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