Im Haus unseres Gottes an nichts fehlen lassen (Neh 10,1)

IM HAUS UNSERES GOTTES AN NICHTS FEHLEN LASSEN

Nehemia 9, 1 – 10, 40
Leitvers 10, 1

„Und darum wollen wir eine feste Abmachung treffen, sie aufschreiben, und unsere Fürsten; Leviten und Priester sollen sie versiegeln und unterschreiben.“

Wir danken Gott, dass er die deutsche Leiterkonferenz an der Ostsee durch sein lebendiges Wort reichlich gesegnet und uns geholfen hat, Gottes Hoffnung und Vision für uns selbst sowie für unser Volk zu erneuern. Wir wurden durch die Glaubensentscheidung von M. Peter und M. Hanna Oh sehr ermutigt, die nach Hamburg umgezogen sind, um nun den Hamburger Studenten mit dem Wort Gottes und dem Gebet zu dienen. Gott ließ uns die große Vision sehen, dass er durch diese Hausgemeinde sein mächtiges Werk tut und an 12 Universitäten in Norddeutschland ein großes Heer an Streitern Christi aufstellen wird.

Im heutigen Text geht es um das Bußgebet der Israeliten und um die Erneuerung des Bundes mit dem Volk Gottes. Die Israeliten, die von der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrten waren, hatten den schmerzlichen Fall ihrer Nation miterleben müssen. Als sie nun durch Gottes Gnade zurückgekehrt waren und die Mauern und Tore Jerusalems wieder aufgebaut hatten, trafen sie gemeinsam eine feste Abmachung, damit sie und ihre Nachkommen nicht wieder ins Unglück fallen sollten. In der Tat half ihnen diese Abmachung, in den nachfolgenden Generationen verschiedene weltliche Strömungen, wie die persische, hellenistische und römische, zu überwinden und ihre Identität zu bewahren. Durch den heutigen Text lernen wir Gottes Treue und Barmherzigkeit gegenüber den untreuen Menschen kennen. Vor allem aber lernen wir kennen, was wahre Buße ist. Möge Gott jedem von uns ein bußfertiges Herz schenken und durch uns eine Bußbewegung unter den Studenten auslösen. Möge Gott uns helfen, unseren Bund mit Gott zu erneuern und eine feste Abmachung zu treffen, damit wir allen weltlichen Einflüssen widerstehen und unsere Identität als Volk Gottes bewahren können.
I. Das Bekenntnis ihrer eigenen Sünden und der Missetat der Väter (9,1-37)

Sehen wir uns Vers 1 an: „Am vierundzwanzigsten Tage dieses Monats kamen die Israeliten zu einem Fasten zusammen, in Säcke gehüllt und mit Erde auf ihren Häuptern.“ Die Leute kamen in Massen zu einem Fasten. Sie waren so bußfertig, dass sie in Säcke gehüllt waren und ihre Häupter mit Erde bestreut hatten. Vers 2 besagt, dass sie sich von allem fremden Volk absonderten, bevor sie zu Gott kamen. Als sie sich ihrer Sünden bewusst wurden, erkannten sie, wie verkehrt es war, unter den gottlosen Menschen den Genuss der Sünde zu genießen. Darum sonderten sie sich von allen gottlosen Menschen entschieden ab, weil sie sich von dem verkehrten Geschlecht und ihrem schlechten Einfluss retten wollten. Nach der Absonderung traten sie vor Gott und bekannten ihre Sünden und die Missetaten ihrer Väter. Sie erkannten nicht nur ihre Sünden vor Gott, sondern auch deren ernsthafte Folgen. Ihnen war bewusst geworden, dass die Sünde keinen Spaß nach sich zog, sondern vielmehr Gottes Zorn und Strafe. Sie erkannten, dass sie wegen der Sünde unter dem Zorn Gottes standen. Deshalb fasteten sie und waren in Säcke gehüllt und Erde war auf ihren Häuptern. Ihr betrübtes und verängstigtes Herz könnte man mit dem Bußgebet des Königs David wiedergeben, der in Ps 38,2-5 schrieb: „Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.“

Wie kam es dazu, dass sie auf einmal so bußfertig waren und nun all ihre Sünden vor Gott aufrichtig bekannten? Wenn wir uns die Ereignisse des vorherigen Kapitels in Erinnerung rufen, dann wissen wir, dass sie nach ca. 1000 Jahren erstmals wieder das Laubhüttenfest gefeiert hatten. Während dieser sieben Tage hatten sie nur das Wort Gottes gehört. Es gab keine Kaffee- und Kuchengemeinschaft, keine Spaziergänge, kein Fußballturnier, nicht einmal Orchestereinlagen. Vom lichten Morgen an bis zum Mittag hatten sie nur Gottes Wort gehört und danach darüber nachgedacht und Stellungnahme geschrieben. Es war eine intensive 7-tägige Bibelkonferenz. Durch das Wort Gottes öffnete Gott ihre geistlichen Augen, so dass sie ihre Sünden und deren Folgen, nämlich ihre jetzige elende Lage erkennen konnten. Durch das intensive Bibelstudium bewegte sich das Herz des ganzen Volkes. Das Wort Gottes stach in ihr Herz wie ein zweischneidiges Schwert, so dass sie nicht länger ihre Sünde verbergen konnten. So bekannten sie ihre Sünden und taten darüber Buße. Ihre Buße und ihr Sündenbekenntnis wurden nicht von ihrem Gefühl, sondern vom Wort Gottes ausgelöst. Erstaunlich ist, dass dies die Nachkommen Israels taten. Es war die neue Generation, die ihre eigene Sünde und die Sünde ihrer Vorväter erkannte und dafür Buße tat. Diese Bußbewegung war die Folge davon, dass sie sieben Tage lang Gottes Wort ernsthaft und intensiv studiert hatten.

Wir kennen solch eine Bußbewegung auch aus dem neuen Testament. In Apg 19 erfahren wir, wie die heidnischen Bewohner von Ephesus ihre Sünden bekannten, wie sie sich zusammen trafen, ihre Zauberbücher auf einen Haufen warfen und öffentlich verbrannten. Dieser Bußbewegung ging ebenfalls ein zweijähriges intensives Bibelstudium des Apostels Paulus mit einigen lernwilligen Jüngern voraus. Als Paulus dann diese Jünger aussandte um zu predigen, erkannten die Menschen durch das Wort Gottes ihre Sünden und taten von Herzen Buße. Einer geistlichen Erweckung geht immer ein geschärftes Sündenbewusstsein und eine Bußbewegung voraus.

Einer der größten geistlichen Erweckungen des 20. Jahrhunderts war die geistliche Erweckung in Korea, die im Jahr 1909 das ganze Land vom Norden bis in den Süden erfasste. Auch dieser geistlichen Erweckung ging eine Bußbewegung voraus, die wiederum durch eine siebentägige Bibelkonferenz in der Stadt Pjöngjang ausgelöst worden war. In der Nacht zum 8. Tag, als alle beharrlich zu Gott beteten, geschah das mächtige Wirken des heiligen Geistes. Viele Koreaner weinten wegen ihrer Sünden. Sie bekannten ihre Sünde, z. B. des Betrugs, des Diebstahls und Ehebruchs und taten Buße. Wie ein Buschfeuer breitete sich diese Bußbewegung schließlich im ganzen Land aus. Vorher kamen die Menschen nur in die Kirche, weil sie von den damaligen Missionaren irgendetwas bekommen wollten. Ein echtes Sündenbewusstsein fehlte ihnen jedoch. Als aber das Wort Gottes sieben Tage lang gepredigt wurde und sich danach viele zum Gebet versammelten, wurden sie sich ihrer Sünden bewusst. Sie erkannten ihre Sünde und taten Buße. Sie bekannten ihre Sünden und nahmen Jesus als ihren Christus und Erretter an. Auf diese Weise wurde das einst einst heidnische Korea in ein christliches und sogar in ein missionareaussendendes Land verändert.

Damit Deutschland geistlich wiederhergestellt wird, muss zuvor eine Bußbewegung durch unser Land gehen. Die meisten Menschen von heute haben jedoch kein Sündenbewusstsein mehr. Viele halten die endlose Beschäftigung mit sich selbst oder mit der Verbesserung ihrer Bedingungen nicht mehr für eine Sünde, sondern für ihre autonome Freizeitgestaltung. Studenten, die sich weigern, auf Partys zu gehen, werden als nicht mehr ganz normal eingestuft. Ehebruch ist ein Kavaliersdelikt geworden. Scheidung und Homosexualität werden nicht mehr als das betrachtet, was sie eigentlich sind, nämlich Sünde. Auch Abtreibung ist etwas Alltägliches geworden. Wir sind dazu berufen, Gottes Wort zu predigen, um das Sündenbewusstsein der Menschen zu schärfen. Wir sind dazu berufen, Studenten zum Wort Gottes einzuladen, um mit ihnen die Bibel zu studieren und ihnen durch den Gottesdienst die Gelegenheit zu geben, Gottes Wort zu hören, so dass sie zur Erkenntnis ihrer Sünden kommen und sie sie bekennen und darüber Buße tun können.

Sehen wir uns Vers 3 an: „Und sie standen an ihrem Platz auf und man las vor aus dem Buch des Gesetzes des Herrn, ihres Gottes, drei Stunden lang, und drei Stunden bekannten sie und beteten zum Herrn, ihrem Gott.“ Drei Stunden lang hörten die Israeliten dem Wort Gottes zu. Dann nahmen sie sich nochmals drei Stunden Zeit, um aufgrund des Wortes ihre Sünden zu bekennen und zu Gott zu beten. So konnten sie sich sechs Stunden lang ununterbrochen mit dem Wort Gottes beschäftigen. Wenn jemand heutzutage länger als eine halbe Stunde predigt, dann regt sich schon Unruhe unter den Zuhörern, dass dies viel zu lang sei. Drei Stunden lang Gottes Wort hören und wiederum drei Stunden lang seine Sünde bekennen und zu Gott beten? Das kann nicht jeder tun. Das können nur diejenigen tun, die ein Sündenbewusstsein haben und die geistliche Erweckung erleben wollen.

Wir sind Gott sehr dankbar, dass er uns auf der vergangenen Europäische Sommer Bibel Konferenz sein Wort reichlich geschenkt hat. Vor allem danken wir Gott, dass er unserer neuen Generation geholfen hat, anzufangen, das geistliche Erbe ihrer Glaubensvorfahren zu übernehmen und eine Entscheidung zu treffen, für das gegenwärtige und zukünftige Heilswerk Gottes, die geistliche Verantwortung mitzutragen und zusammenzuarbeiten. Durch die aufrichtige Buße und klare Haltung gegenüber dem Wort Gottes einiger Missionare der neuen Generation wirkte Gott sehr mächtig, besonders unter der neuen Generation, indem viele von ihnen gerade durch ihr Zeugnis neues Sündenbewusstsein bekamen und Buße taten. Möge Gott uns helfen, mit der neuen Generation weiter das gemeinsame Gefäß des Gebetes für die geistliche Wiederherstellung Deutschlands zu bilden, so dass, angefangen von dieser Konferenz, eine immer weiter wachsende Bußbewegung unter den deutschen Jugendlichen und Studenten ausgelöst wird, bis schließlich unser ganzes Land zu einer geistlichen Erweckung geführt wird.

Betrachten wir die Verse 4-37. Als das Volk für seine Sünde Buße tat und betete, hörte es die rettende Hand Gottes in seiner Geschichte. Dieser geschichtliche Rückblick erstreckte sich von der Schöpfung Gottes über Abrahams Berufung, den Exodus aus Ägypten, die Wüstenwanderung, die Landeinnahme bis hin zur Gefangenschaft in Babylon und schließlich zur Rückkehr in das verheißene Land. Es war die biblische Geschichte vom 1. Buch Mose an bis hin zu den Büchern Könige, Esra und Nehemia. Durch diesen geschichtlichen Rückblick sollte sich das Volk an Gottes einseitige Gnade und Auserwählung sowie an seine treue Führung und wiederholte Barmherzigkeit erinnern. In Vers 5b forderten die Leviten das Volk dazu auf, Gott zu loben: „Auf! Lobet den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und man lobe seinen herrlichen Namen, der erhaben ist über allen Preis und Ruhm!“ Nach dem Bußgebet sollten sie nicht mehr länger betrübt sein. Sie sollten daran glauben, dass Gott ihnen nun ihre Sünden vergeben hat. Sie sollten sich nach vorn ausrichten, auf Gott schauen und Gott loben und preisen. Wir müssen Gott loben. Wenn wir Gott loben, wird unser Geist lebendig und fröhlich. Die Freude am Herrn ist unsre Stärke. Manchmal sind unsere Herzen mit alltäglichen Sorgen beladen. Als Folge davon können wir Gott nicht loben; dann wird unser Geist betrübt und bedrückt. Aber damit ist weder uns selbst noch anderen geholfen. Wenn wir aber Gott für seine Führung dankbar sind, können wir ihn nur loben. Für den Lobpreis Gottes ist es sehr hilfreich, sich an die Führung Gottes an unserem Leben zu erinnern. Wenn wir uns an die einseitige Gnade der Sündenvergebung durch Jesu Sühnetod am Kreuz und an das Geschenk des ewigen Lebens erinnern, dann können wir Gott sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten loben. Also auf! Lasst uns den Herrn, unseren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit loben. Lasst uns seinen herrlichen Namen, der erhaben ist über allen Preis und Ruhm loben.

Gott erinnerte sein Volk daran, dass er der allmächtige Schöpfer ist. V6 sagt: „Herr, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist; du machst alles lebendig und das himmlische Heer betet dich an.“ Dieser Gott, der die erste Ursache aller Dinge und der Geber allen Lebens ist, ist allein würdig von uns angebetet zu werden. Dieser lebendige und allmächtige Gott offenbarte sich Abram, einem kinderlosen, alten Mann. Gott gab ihm seine Verheißung, ihn zum großen Volk und zum Segen für alle Geschlechter auf Erden zu machen. Er führte ihn aus Ur in Chaldäa in das verheißene Land. Schließlich befand Gott sein Herz für treu und schloss einen Bund mit ihm. Gott offenbart sich Abraham als ein segnender Gott. Gott veränderte Abraham, dass dieser von einem Götzendiener zu einem Vater des Glaubens verändert wurde. Gott segnete nicht nur ihn allein, sondern auch seine Nachkommen und segnete sie von Generation zu Generation. Als sich die Nachkommen Abrahams im Elend in Ägypten in der Sklaverei befanden, hörte Gott ihr Schreien. Er gedachte an den Bund mit Abraham und nahm sich des Volkes an. Nicht sie selbst befreiten sich – dazu waren sie viel zu schwach – sondern Gott sah ihr Elend an. Er tat Zeichen und Wunder und befreite sein Volk aus der Hand des Pharaos. Er führte sie trockenen Fußes durch das Schilfmeer und ließ ihre Verfolger darin umkommen. Gott begleitete und beschützte sie, indem er tagsüber in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule mit ihnen war. Dann gab Gott ihnen Recht und Gesetz am Berg Sinai, gute Satzungen und Gebote sowie den heiligen Sabbat. Er gab ihnen Brot vom Himmel als sie hungerte und Wasser aus dem Felsen als sie dürstete. Vers 21 sagt: „Vierzig Jahre versorgtest du sie in der Wüste, sodass ihnen nichts mangelte. Ihre Kleider zerfielen nicht und ihre Füße schwollen nicht an.“ Schließlich brachte Gott sie ins verheißene Land, so dass sie sich satt essen und durch seine große Güte in Wonne leben konnten.

Wie reagierten die Israeliten darauf? Hatten sie Gott dafür gelobt und waren sie ihm immerzu dankbar? Sehen wir uns dazu Vers 16 an: „Aber unsere Väter wurden stolz und halsstarrig, sodass sie deinen Geboten nicht gehorchten“. Vers V34a besagt auch: „Und unsere Könige, Fürsten, Priester und Väter haben nicht nach deinem Gesetz getan und nicht Acht gehabt auf deine Gebote und Ordnungen.“ Sie dankten Gott nicht, sondern sie wurden ungehorsam. Sie sündigten wiederholt gegen Gott. Wenn sich ihre Bedingungen etwas verschlechterten, fingen sie sofort zu murren an. Ebenso als sie satt und fett wurden, vergaßen sie schnell Gottes Gnade und vernachlässigten das Werk Gottes mehr und mehr. Wie reagierte Gott auf ihre wiederholten Sünden? Gott hätte sie ausspucken können. Aber er tat dies nicht. Gott blieb immer geduldig. Vers 17b sagt: „Aber du, mein Gott, vergabst und warst gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und verließest sie nicht.“ Dennoch wurden sie immer wieder ungehorsam und widerstrebten ihm. Sie warfen sein Gesetz hinter sich und töteten sogar seine Propheten, die sie vermahnten. Darum gab Gott sie in die Hand der Völker in den Ländern. Gott war gerecht in allem, weil sie nicht auf die Gebote Gottes geachtet hatten. Trotzdem war Gott ihnen gnädig. Sehen wir uns Vers 31 an: „Aber nach deiner großen Barmherzigkeit hast du mit ihnen nicht ein Ende gemacht noch sie verlassen; denn du bist ein gnädiger und barmherziger Gott.“ Gott brachte sie in ihr Land zurück. Das Land war zwar verwüstet, aber sie konnten wieder neu anfangen. Mit der Hilfe Gottes konnten sie schließlich den Tempel Gottes und auch die Mauern Jerusalems wieder aufbauen. Die Israeliten erkannten Gottes Treue und seine züchtigende Liebe ihnen gegenüber, die sie nun zur Buße über ihre Gottlosigkeit und ihren Ungehorsam geführt hatte. Dieser Gott, der sein Volk mit so viel Geduld geführt und ihre Sünden wieder und wieder vergeben hat, ist der Gott der Hoffnung. Gott ist immer bereit, uns unsere Sünden zu vergeben und uns die Chance für einen neuen Anfang zu geben. Gott hat auch auf Deutschland seine große Hoffnung gesetzt. Durch seine züchtigende Liebe hat er unser Volk durch zwei verheerende Weltkriege gedemütigt. Diese Niederlagen waren nichts anderes als die Folge unserer Gottlosigkeit, unseres Ungehorsams und unserer grundlosen Überheblichkeit. Ein bekannter gewordener Satz unter denen, die Deutschland in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut hatten, lautete: „Wir sind nochmal davongekommen.“ Damit bezeugten sie, dass eigentlich keiner die Gnade des Wiederaufbaus verdient gehabt hatte. Durch die Anerkennung unserer Sünde und das Bekenntnis unserer Schuld hat Gott uns unsere Sünden vergeben. Vor 20 Jahren hat er sich über das beharrliche Gebet der Gläubigen sehr erbarmt und uns die friedliche Wiedervereinigung geschenkt. Er hat vor 40 Jahren drei missionarisch aktive Krankenschwestern zuerst nach Deutschland ausgesandt, um hier das Jüngererziehungswerk zu beginnen und damit die geistlichen Mauern wieder aufzubauen. Wenn wir auf die Geschichte unseres Volkes zurückblicken, so erkennen auch wir Gottes Treue und Barmherzigkeit. Vor allem aber erkennen wir, dass Gott seine Hoffnung auf Deutschland gesetzt hat, es als eine Nation von Hirten und Bibellehrern und als ein Licht für alle Völker Europas und der ganzen Welt aufzustellen und zu gebrauchen.

II. Die Verpflichtung, dem Wort Gottes zu gehorchen (10,1-40)

Sehen wir uns Vers 1 an: „Und darum wollen wir eine feste Abmachung treffen, sie aufschreiben, und unsere Fürsten, Leviten und Priester sollen sie versiegeln und unterschreiben.“ Die Israeliten trafen eine feste Abmachung und versiegelten sie, angefangen vom Statthalter Nehemia bis hin zu den leitenden Mitarbeitern. Warum trafen sie gemeinsam eine feste Abmachung? Es war eine kollektive Maßnahme gegen die kollektive Sünde des Volkes. Sie hatten die Schmerzen der Züchtigung Gottes erlebt. Sie erkannten die Ursache des Niedergangs ihres Volkes, nämlich ihren Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes. In Zukunft sollte solch ein Unglück nie wieder passieren. Darum trafen sie diese Abmachung. Konkret beschlossen sie Folgendes:

1. Sie wollten alle Gebote des Herrn halten und tun (29-30);
2. Sie wollten ihre Söhne und Töchter nicht mit Heiden heiraten lassen (31);
3. Sie wollten den Sabbat heilig halten (32);
4. Sie wollten Gott den Zehnten und die Erstlingsgabe bringen (33-40).

Die Israeliten trafen diese feste Abmachung und unterschrieben sie. Sie erstellten eine Verpflichtungserklärung, an die sie sich fest banden. Was war der Zweck dieser Erklärung? Der Zweck war, dass ihre Identität als Volk Gottes wiederhergestellt werden sollte. Obwohl viele Israeliten schon nach Israel zurückgekehrt waren, lebten sie doch nicht mit der Identität als Volk Gottes. Sie hatten eine relative Haltung gegenüber dem Gesetz. Sie vermischten sie sich durch die Heirat mit den Heiden und wurden durch deren gottloses Leben und Götzendienst negativ beeinflusst. Sie hielten auch den Sabbat nicht heilig, sondern trieben wie die Heiden gewinnsüchtigen Handel. Nun aber wollten sie dem allen durch eine schriftliche Verpflichtungserklärung ein Ende machen. In den Versen 31-39 konkretisieren sie ihre Abmachung und in Vers 40b lesen wir deren Zusammenfassung: „So wollen wir es im Haus unseres Gottes an nichts fehlen lassen.“ Sie zeigten ihren Eifer um das Haus Gottes. Sie machten das Haus Gottes zum Mittelpunkt ihres Glaubenslebens. Mit ihrer Abmachung und Hingabe führten sie nun ein gottzentriertes Leben. Es war ein gemeindezentriertes Leben. Diese feste Abmachung war für sie wie ein Morgenstern, an dem sie sich orientieren konnten. Diese feste Abmachung war für sie eine geistliche Mauer, die sie von der gottlosen Umgebung schützte. So konnten sie die turbulente gottlose Strömung der nachfolgenden Zeiten überwinden und ihre Identität als das auserwählte Volk Gottes bewahren.

Hier lernen wir, dass die wahre Buße nicht nur die Anerkennung unserer Sünde und deren Bekenntnis bedeutet, sondern auch eine Hinwendung zu Gott, indem wir uns entscheiden, Gott in unserem alltäglichen Leben praktisch zu gehorchen und ein gottzentriertes und gemeindezentriertes Leben zu führen. Auch wir brauchen die geistlichen Mauern einer solchen Verpflichtungserklärung, weil wir den starken humanistischen und relativistischen Einflüssen der Welt ausgesetzt sind. Wir werden ständig versucht, Gottes Wort nicht so ernst zu nehmen. Wir werden versucht, aus dem Sonntag einen Ausflugs- oder Familientag zu machen. Wir werden versucht, unseren Heiratspartner nach unserem Gutdünken oder Gefühl auszusuchen. Wir werden versucht, Gottes Werk zu vernachlässigen und uns mit uns selbst zu beschäftigen und das Leben irgendwie zu genießen. Lasst uns heute jeder eine Verpflichtungserklärung in unserem Herzen unterschreiben, damit wir unsere Identität als eine königliche Priesterschaft inmitten unserer gottlos gewordenen Kultur bewahren können und durch uns ein großer geistlicher Einfluss auf die Gesellschaft ausgeübt werden kann. Gott helfe uns, aus der Dankbarkeit für seine große Gnade an unserem Leben heraus seine Gebote zu halten, missionszentrierte Hausgemeinden zu gründen bzw. weiter zu bauen, den Sonntag heilig zu halten und treu unseren Zehnten zu geben. Lasst uns Gott unser Herz geben und ein Gott- und Gemeinde-zentriertes Leben führen, so dass es im Haus unseres Gottes an nichts fehlen wird. Dann wird Gott uns und unsere neue Generation schützen, leiten, segnen und mehren und unser Volk als ein Königreich von Priestern und Segen für die Weltmission aufstellen und gebrauchen.

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