Du sollst Kephas heißen

Johannes 1,35 – 51
Leitvers 1,42

„Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels.“

Anlässlich der Promotion von Hirten Johannes Chang und von mir am vergangenen Samstag möchte ich mit Euch über ein Wort aus Johannes 1,42, welches auch mein Lebensleitwort bis heute ist, nachdenken und anschließend meinen Siegesbericht mit euch teilen.

1. Du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels

In Johannes 1,35-51 erfahren wir, wie die ersten Jünger Jesus begegneten und wie sie ihr Leben in der Nachfolge Jesu begonnen haben. Einer lud den Anderen ein, indem sie ein klares Zeugnis über ihre Begegnung mit Jesus ablegten. Gottes Werk wächst durch das Einladungswerk derjenigen, die Jesus persönlich begegnet sind und ihn persönlich erfahren haben. Einer von diesen war Andreas.

Andreas fand seinen älteren Bruder Simon und bezeugte ihm: „Wir haben den Messias gefunden.“ Sein Bruder Simon war ein fleißiger und hart arbeitender Mensch, der gerade sein Fischerei-Business am galiläischen Meer aufbaute. Seit Terminkalender war viel zu voll, als dass er Zeit dafür gehabt hätte, mit seinem Bruder zu Johannes dem Täufer zu gehen. Aber das Zeugnis von Andreas und seine Überzeugung von Jesus machten ihn schließlich neugierig. Schließlich kam er zu Jesus. Was sagte Jesus zu ihm? Sehen wir uns Vers 42 an: „Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt Fels.“ Jesus sah Simon zum ersten Mal. In den Augen der Menschen war Simon nur ein einfacher Fischer. Aber Jesus hatte eine große geistliche Vision, dass Simon ein Fels des Glaubens und die Grundlage für seine Gemeinde sein würde. In Matthäus 16,18 sagte Jesus zu Simon: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ Jesu Hoffnung und Vision für uns sind viel größer, als wir uns vorstellen können. Simon nahm diese Hoffnung und Vision Jesu auf und folgte fortan Jesus nach.

Simon war der Spitzenjünger und die natürliche Leiterperson unter den zwölf Jüngern Jesu. Er war impulsiv, hatte ein sprachgewaltiges Mundwerk und viel Selbstvertrauen. Einmal sagte er zu Jesus, dass er sein Leben für Jesus lassen wollte, auch wenn alle anderen Jünger Jesus verlassen würden. Aber er war noch kein Fels. Als bei Jesu Verhör eine Magd zu ihm sagte „Du bist auch einer von denen“, verleugnete Simon Jesus drei Mal, um sein nacktes Leben zu retten, bis der Hahn krähte. Wegen seines Versagens war Simon verzweifelt und wollte zu seinem alten Leben als Fischer zurückkehren. Aber der auferstandene Jesus besuchte seine Jünger, die ihn verraten und verlassen hatten, und stellte ihre Beziehung zu ihm und insbesondere die Beziehung von Simon zu ihm wie-der her, indem er Simon drei Mal fragte: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber als mich diese haben? Weide meine Schafe!“ (Johannes 21,15-17). Obwohl Simon versagt hatte, gab der auferstandene Jesus seine Hoffnung, der er auf Simon gesetzt hatte, nicht auf und stellte ihn als Jünger wieder her und stellte ihn als Hirten für die Gemeinde Gottes auf.

Nach Jesu Himmelfahrt wuchs Simon zu einem Fels des Glaubens und der Gemeinde der ersten Christen. In der Apostelgeschichte übernahm er die Verantwortung für die Gemeinde, indem er die Nachwahl des zwölften Apostels durchführte (Apostelgeschichte 1,15-26). Als einige am Pfingsttag über das Wirken des Heiligen Geistes in den Jüngern und in den Gläubigen spotteten, ergriff er das Wort und verteidige das Wirken des Heiligen Geistes und bezeugte am Ende mutig: „So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, das Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat“ (Apostelgeschichte 2,36). An jenem Tag taten dreitausend Menschen Buße und wurden zur Gemeinde hinzugefügt. Als die Hohenpriester Petrus und Johannes wiederholt bedrohten, nicht von Jesus zu reden, sprachen sie: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29). Als sich nach dem Märtyrertod des Stephanus eine große Verfolgung durch Saulus erhob, zerstreuten sich alle Gläubigen, aber die Apostel um Petrus blieben in Jerusalem (Apostelgeschichte 8,1). Als die Christen im ganzen römischen Reich bis aufs Blut verfolgt wurden, bemitleidete er die Christen nicht, sondern ermutigte sie an ihrer wahren geistlichen Identität festzuhalten: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1. Petrus 2,9). Apostel Petrus half den ersten Christen, mit der richtigen Haltung am Leiden Jesu teilzunehmen: „sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt“ (1.Petrus 4,13). Petrus ermutigte die Christen, auch selber zu kleinen Felsen zu werden, in 1.Petrus 2,4.5: „Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“ Apostel Petrus starb schließlich als Märtyrer in Rom. Aber die Gemeinde Christi war durch viele kleine Felsen des Glaubens fest aufgebaut und eroberte schließlich das heidnische römische Reich mit dem Evangelium von Jesus Christus.

Martin Luther war nur ein kleiner Mönch. Aber als er die Bibel mit dem suchenden Herzen er-forschte, erkannte er das Geheimnis der Rechtfertigung allein durch den Glauben ohne Zutun der Werke, das schon seit 1.500 Jahren im Wort Gottes verborgen lag, aber von den religiösen Oberen weggeschlossen worden war. Er schlug die Wahrheit Gottes der Bibel in 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg an, vor 500 Jahren. Er verteidigte die Wahrheit des Wortes Gottes auf dem Reichstag zu Worms 1521 gegen die ganze Macht von Kaiser und Kirche, indem er aussagte: „Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde … so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Ge-wissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“ Martin Luther, aber auch viele andere wie Philipp Melanchthon, wurden der Fels, auf dem die Reformationsbewegung gebaut wurde.

Dietrich Bonhoeffer war der Sohn eines Arztes. Mit 21 Jahren war er in evangelischer Theologie promoviert und mit 24 Jahren habilitiert. In der Zeit der Krise des Nationalsozialismus wurde er einer der Leiter und ein Fels der bekennenden Kirche in Deutschland, welche dem NS-Regime aufgrund der Wahrheit der Bibel unbeugsam Widerstand leistete. Obwohl Bonhoeffer mehrmals die Möglichkeit hatte, ins Ausland zu emigrieren, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben, bis zum Ende. Auch nach seiner Gefangennahme blieb er standhaft. Im KZ verfasste er kurz von seinem Tod. inmitten der unerträglichen Leiden, den Text für sein bekanntestes Lied: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Prof. Peter Beyerhaus diente sieben Jahre als Missionar in Südafrika und anschließend 32 Jahre als Professor für Missionswissenschaft und Ökumenische Theologie an der Universität Tübingen. Er ist ein unbeugsamer Fels für die Wahrheit der Bibel in Deutschland. In der Zeit des Humanismus, der auch die Kirche stark beeinflusst, kämpft er kompromisslos, z. B. gegen die Gender-Ideologie. Seine Standhaftigkeit, trotz seines Alters, ermutigt viele Christen in Deutschland und Europa, an dem bibeltreuen Glauben und an dem Missionsauftrag Gottes festzuhalten.

Professor Werner Gitt, den wir dieses Jahr im Hörsaal der Hochschule Rhein-Sieg erleben durften, war 31 Jahre lang Direktor und Professor des Fachbereichs Informationstechnologie an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Noch während seiner aktiven Zeit begann er, in einer Gesellschaft, in der die Evolutionslobby sehr stark ist, unermüdlich den Schöpfungsglauben aufzurichten. Er ist ein Fels des Glaubens aus der wissenschaftlichen Welt, der die Menschen von dem Todeszug in den Lebenszug einlädt.

Sehen wir uns noch einmal den Leitvers (Johannes 1,42) an: „Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels.“ Gott hat für jeden von uns, insbesondere für die Mitarbeiter und Hoffnungsträger der Nächsten Generation, die Hoffnung, als Fels des Glaubens und Grundlage seiner Kirche und der Weltmission in dieser Generation gebraucht zu werden. In den Augen Jesu war die Zahl nicht wichtig, sondern 12 Jünger, vor allem eine Person, Simon, war entscheidend. Eine Person, Petrus, die als ein Fels des Glaubens wirkte, war entscheidend für die Ausbreitung der ersten Christen bis an das En-de der Erde trotz Leiden und Bedrängnis. Ich bete, dass Gott jedem von Euch Vision und Wunsch in euer Herz schenkt, als geistlicher Felsen und als Grundlage der Gemeinde Gottes und des Pionierungswerkes an den 1.700 Hochschulen in Deutschland und Europa, in der muslimischen Welt und bis an das Ende der Erde in Eurer Generation gebraucht zu werden.

Viele, die als geistliche Felsen in der Geschichte Gottes einflussreich gebraucht wurden, waren Doktoren, wie wir durch die Beispiele kennenlernen konnten. Der Doktortitel ist ein besonderer Titel. Es ist einer der wenigen Titel, die bei einem Menschen unabhängig von seiner jeweiligen Lebenslage immer bleibt. Um ein Doktor zu werden, sind Lebenshingabe und Opfer erforderlich, um eine einzigartige Fragestellung zu beantworten. Heutzutage denken viele junge Menschen sehr pragmatisch und geld-orientiert. Anstatt eine Frage oder ein Problem tiefgehend zu erforschen und eine Antwort oder eine Lösung darauf finden zu wollen, möchten sie einfach nur schnell Geld verdienen. Sie hören oft nach dem Bachelor-Studium die Ausbildung auf, um schnell zu arbeiten und Geld zu verdienen. Für sie ist das Unistudium nur ein Weg, um sich für das Geldverdienen zu-zurüsten anstatt als ein geistlicher Leiter zu wachsen. Ich bete, dass Gott euch heute ermutigt, nicht den pragmatischen und leichten Weg zu gehen, sondern dass Gott unter euch, v. a. unter der neuen Generation, viele Doktoren als geistliche Felsen und geistliche Leiter aufstellt, z. B. Dr. Peter Ryu, Dr. Daniel Reich, Dr. Jonas Dröge oder Dr. Samuel A. Chang, Dr. Josua Elsholz oder Dr. Sarah Schweitzer oder Dr. Sarah G. Chang, durch welche die geistliche Wiedererweckung geschieht und der Kurs der Geschichte einer Gesellschaft, eines Landes oder eines Kontinents verändert wird.

2. Siegesbericht

Am letzten Samstag (15.07.2017) durfte ich den Doktorgrad der Medizin im Rahmen einer feierli-chen Promotion in der Aula der Universität Bonn verliehen bekommen. Seitdem darf ich offiziell den Titel „Dr. med. Petrus Chang“ tragen. Ich bin sehr glücklich, dass ich dieses Ereignis gemeinsam mit meinem Bruder, Dr. med. Johannes Chang, begehen durfte. In diesem Siegesbericht möchte ich über die Führung Gottes durch die Promotion nachdenken.

1. Vorbemerkungen
Ich glaube, dass ich seit der Kindheit den Wunsch hatte, ein Doktor zu werden. Ich hatte einen großen Wissensdurst, v. a. im Bereich Medizin, Naturwissenschaft, Technologie und Geschichte. Ich wollte wie Dr. Faust erkennen, was die Welt im Inneren zusammenhält, und mit diesem Wissen Gott und der Welt dienen. Meine Eltern dienten den einheimischen Studenten, die an der Universität Bonn studierten, mit denen sie auch Lebensgemeinschaft führten. Dies stellte für mich einen wunderbaren Pool an Wissen aller Art dar. Wie der kleine Herr Jesus befragte ich die hoch gebildeten Studenten über alle möglichen und unmöglichen Dinge dieser Welt, teilweise stundenlang. Am besten war es, wenn wir im Auto eine lange Missionsreise machten, weil dann die Mitarbeiter, die ich gerade befragte, nicht weglaufen konnten. Meine Fragen waren teilweise sehr spezifisch und kompliziert und brachten diejenigen, die ich befragte, oft an die Grenzen ihres Wissens und ihrer Geduld. Aber dadurch konnte ich sehr viel lernen.

Mein Vater absolvierte sein Studium der Pharmazie in Korea bis zum Mastergrad. Danach kam er als ein studentischer Missionar nach Deutschland, um der Campusmission an der Universität Bonn gemäß dem Weltmissionsbefehl Jesu zu dienen. Mein Vater hatte eigentlich nicht den Plan, ein Promotionsstudium zu beginnen. Die ersten UBF-Missionare betrachtete es damals sogar als eine Sünde, ein Promotionsstudium zu beginnen, indem sie dachten, dass man durch das Trachten nach einer Promotion vor allem für seine eigene Ehre anstatt für die Mission Gottes leben würde. Darum war es für meinen Vater keine einfache Orientierung, als der damalige Generaldirektor unserer Gemeinde, Rev. Dr. Samuel Lee, meinem Vater, einem Frontmissionar, die Orientierung gab, ein Promotionsstudium zu beginnen. Durch den Glauben gehorchte er der Orientierung und be-gann die Doktorarbeit an der Pharmazie der Universität Bonn. 1984 konnte er die Doktorwürde erhalten. Er bezeugte Gottes Gnade, dass er die Doktorprüfung bestand, obwohl er Schwierigkeiten hatte, zu antworten, was Wasser ist. Danach arbeitete er noch drei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut seines Doktorvaters. 1987 entschied mein Vater sich, seine Karrieremöglichkeiten oder andere berufliche Möglichkeiten aufzugeben, um sich vollzeitig dem Campusmissionswerk und dem Jüngererziehungswerk zu widmen. Gott hat diese Entscheidung bis heute überreichlich gesegnet.

Insbesondere meine Mutter, die als Krankenschwester in der neurochirurgischen Abteilung der Universitätsklinik Bonn arbeitete, betete für mich mit der Vision für das Pionierungswerk der medizinischen Fakultät. Gott erhörte ihr Gebet, sodass ich im Wintersemester 2001 das Medizinstudium an der Universität Bonn beginnen durfte. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr ehrgeizig und träumte von einer großen Karriere, einmal ein Direktor einer Klinik zu werden.

2. Demutstraining
Da ich durch die Computerprüfungen bereits trainiert war und weil ich ein natürliches Interesse für die Lebenswissenschaften hatte, kam ich zunächst gut durch das Studium. Dann brach der Sturm des Lebens über mich durch die Businessmission herein. Es war der erste ernsthafte Stress-test in meinem Leben, in welchem ich an meine menschlichen und geistlichen Grenzen gelangte. In dieser Zeit wurden meine Anliegen der Begierde, der Prioritätslosigkeit, des Eigenwillens und der inneren Furcht schonungslos offenbart. Ich konnte kaum mein Studium weiterführen und hatte meine geistlichen Anliegen noch nicht gelöst bekommen. Trotzdem begann ich eine Doktorarbeit in der anästhesiologischen Abteilung des Universitätsklinikums. Aber ich war nicht in der Lage, diese Arbeit durchzuführen, weil mein grundlegendes geistliches Anliegen nicht gelöst war. Ich durfte schließlich mein geistliches Anliegen durch sein Wort aus Matthäus 9,2 gelöst bekommen: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Ich konnte das Studium wiederaufnehmen und es schließlich im Sommer 2010 nach neun Jahren Studienzeit abschließen.

Mein erster Versuch der Doktorarbeit war wegen der falschen Grundlage gründlich danebengegangen. Aber Gott hatte mich dadurch demütiger werden lassen. Ich durfte mich an die wunderbare Gnade Gottes erinnern und eine Lebensentscheidung aufgrund seines Wortes Esra 7,10 treffen. Ich tat Buße über meine falsche Prioritätssetzung, durch eine Doktorarbeit und eine Karriere meinen Ehrgeiz zu befriedigen. Ich traf eine Entscheidung, mein Herz und meine Priorität in meinen 30iger Jahren darauf zu setzen, Gottes Wort zu studieren, und als ein Bibellehrer und geistlicher Leiter heranzuwachsen. Diese Entscheidung entsprang der Einsicht, dass Europa nicht noch mehr Ärzte oder Wissenschaftler, sondern vor allem Bibellehrer und geistliche Leiter braucht. Mein Gebet war, durch die Promotion und die Facharztausbildung weiter Gottes Training zu erhalten und dem Pionierungswerk der medizinischen Fakultät zu dienen. Daher war es für mich klar, dass ich zur Uniklinik zurückwollte, auch wenn es dort schwieriger und anspruchsvoller sein sollte.

3. Ein neuer Anfang
Mit dreißig Jahren war ich schon spät dran, vor allem mit vier Kindern, um in das Berufsleben einzusteigen. Missionarin Pauline hatte acht Jahre seit unserer Heirat darauf gewartet, indem sie hingebungsvoll dem Werk Gottes diente. Ich suchte eine neue Promotionsarbeit und auch eine Halbtagsstelle, sodass ich parallel zur Promotion auch arbeiten konnte. Da sah ich eine Stellenausschreibung in der Augenklinik zum Qualitätsmanager, worauf ich mich bewarb. Als ich bei meinem zukünftigen Doktorvater anrief, teilte der mir mit, dass die Stelle nicht mehr ausgeschrieben wäre, aber dass ich meine Bewerbungsunterlagen schicken sollte. Ich habe meine Bewerbungsunterlagen geschickt ohne eine Antwort zu erwarten oder allenfalls eine freundliche Absage. Ich dachte, dass ich als ein 30-jähriger Absolvent in einem hochkompetitiven Umfeld keine Chance hätte. Aber relativ kurzfristig bekam ich einen Rückruf, mit der Bitte, mich in der Augenklinik vorzustellen. Beim Vorstellungsgespräch teilte mein zukünftiger Doktorvater mir mit, dass Prof. Holz mir eine Doktorarbeit und auch eine Stelle anbieten wollte. Sie suchten jemanden mit Datenbankkenntnissen, welche ich durch meine Computerprüfungszertifikate aus der Zivildienstzeit belegen konnte. Ich hatte mir nie vorstellen können, dass ich einmal in die Augenklinik kommen würde. Aber durch die Führung Gottes konnte ich dort sowohl mein Berufsleben im Oktober 2010 beginnen und im Frühjahr 2011 eine neue Promotionsarbeit beginnen mit dem Titel: „Analyse der Beziehung zwischen peripapillärer Atrophie zu der makulären Atrophie bei der Altersabhängigen Makuladegeneration“ unter der wissenschaftlichen Leitung meines Doktorvaters, damals PD Dr. med. S. Schmitz-Valckenberg.

Die Zusammenarbeit verlief außerordentlich gut. Ich arbeitete zuerst als rein wissenschaftlicher Mitarbeiter 50%, dann 75%, schließlich 100%. Menschlich betrachtet wurde dadurch meine ärztliche Laufbahn noch einmal um 1 ¾ Jahre verzögert. Aber dies gab mir die Möglichkeit, mich mehr mit dem Wort Gottes zu beschäftigen und mehr mit den Leuten Gottes zusammenzuarbeiten, gemäß der Entscheidung, die ich aufgrund von Esra 7,10 getroffen hatte. So konnte ich die Grundlage für die geistliche Zusammenarbeit während meiner späteren Assistenzarztausbildung legen, welche ich im Juli 2012 beginnen konnte. Danach wurde ich sehr beschäftigt, weil die Forschungs-gruppe meines Doktorvaters, das sog. Reading Center sehr gut lief. Mein Doktorvater begann diese Forschungseinrichtung auf seinem Laptop in seiner Freizeit. Im Laufe der Jahre nach meiner Ein-stellung wuchs das Reading Center in Bonn zu einem der zwei großen Reading Center global gesehen. Wir haben mehr als zehn große internationale, multizentrische Studien für alle größeren Pharmakonzerne betreut. Deshalb war ich auch als einer der verantwortlichen Mitarbeiter dort sehr beschäftigt, gleichzeitig auch in der Klinik als Arzt beschäftigt. Im Prinzip hatte ich die wesentlichen Ergebnisse der Promotion bereits im Sommer 2012 fertig gestellt. Aber dann schaffte ich es mehrere Jahre nicht, diese zu einem Paper zusammenzuschreiben. Es lag nicht an meinem Doktorvater. Mein Doktorvater arbeitete und antwortete immer sehr schnell, meistens innerhalb von Stunden. Aber er erwartete sehr konsequent, dass ich den Promotionsprozess vorantreiben sollte. Auf der einen Seite war ich aber überwältigt von meinem Workload. Auf der anderen Seite lag es auch daran, dass ich mich entschieden hatte, meine Priorität auf das Wort Gottes zu legen. 2012 nahm ich an einem Promotions-Vorbereitungs-kurs in Oxford teil, 2013 am 4-14-Kongress in Bangkok. 2014 und 2015 war ich mit dem Anbauwerk als Verantwortlicher für die Elektroinstallation beschäftigt. Ich hatte das Gefühl, dass dies eine einmalige geschichtliche Gelegenheit darstellte, wofür ich mich einsetzen sollte. 2015 durfte ich auch am Leadership Matters Course (LMC) von OM teilnehmen. Ich war auch der einzige Assistent, der überhaupt Kinder hatte. Ich hatte kaum Gelegenheit für Freizeitforschung. Schließlich ergriff mein Doktorvater selber die Initiative. Er engagierte eine Ärztin und Wissenschaftlerin aus Singapur, die bei uns ein Jahr als Gastwissenschaftlerin arbeitete, mein Paper zu Ende zu schreiben, um mich zu unterstützen. Im November 2015 konnte das Paper schließlich bei einem wissenschaftlichen Journal eingereicht werden, wo es nach einem globalen Peer Review-Prozess im Februar 2016 angenommen wurde. Damit konnte die wichtigste Grundlage für den Abschluss des Promotionsverfahrens mit der Hilfe Gottes und meines Doktorvaters gelegt werden. Danach hat es noch einmal ein Jahr gedauert, um die Promotionsschrift zu erstellen und die bürokratischen Formalien zu erfüllen. Am 15. Juli 2017 durfte ich schließlich die Doktorwürde der medizinischen Fakultät verliehen bekommen.

Durch die Promotionsarbeit habe ich vieles gelernt. Ich durfte Gottes Hilfe und beste Führung erfahren, in einer hochkompetitiven Umgebung an der Uniklinik, wo hervorragende Leute sehr fleißig arbeiten, nicht nur zu bleiben, sondern auch diese Promotionsarbeit zum Abschluss zu bringen. Ich habe gelernt, dass Gott eine geistliche Lebensentscheidung segnet und dass Gott uns gerade dann überreichlich segnet und hilft, wenn ich mit Priorität an meiner geistlichen Lebensentscheidung festhalte.

Gottes Werk ist keine One-Man-Show, sondern ein Werk der Zusammenarbeit. Ich danke meinen Eltern und meiner Mitarbeiterin, die mich geistlich in dieser Zeit unterstützt und mir beigestanden haben. Ich bekenne, dass ich oft versagt habe, geistlich gut zusammenzuarbeiten. Aber ich bin durch den treuen Glaubenskampf meiner Eltern, meiner Mitarbeiterin und von euch, so dass meine Schwachheit ausgeglichen wurde, immer wieder ermutigt und getröstet worden. Ich danke allen Mitarbeitern, die für mich und für das Pionierungswerk der medizinischen Fakultät ohne aufzuhören und aufzugeben gebetet haben. Es hat etwas gedauert, bis diese Promotion abgeschlossen werden konnte, aber sie ist zum Abschluss gekommen durch euer Gebet. Darum bin ich sicher, dass Gott auch euer unaufhörliches Gebet für das Pionierungswerk der med. Fakultät erfüllen wird. Ich bete, als ein Bibellehrer und Hirte für zwölf Mediziner und Medizinstudenten zu wirken. Ich entscheide mich, an der geistlichen Orientierung aus Esra 7,10 und Johannes 1,42 festzuhalten, meine Priorität darauf zu legen, zu einem Bibellehrer und geistlichen Leiter und Fels des Glaubens für die Gemeinde Gottes und für die geistliche Wiedererweckung in Deutschland und Europa und ferner für die Muslimemission und für die Weltmission bis an das Ende der Erde weiter zu wachsen.

Teilen