Ich bin’s; fürchtet euch nicht!

Johannes 6,16-21
Leitvers 6,20

“Er aber sprach zu ihnen: Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“

Wir danken Gott, dass wir vergangene Woche den fünf Brote und zwei Fische suchenden Glauben lernen durften. Wir wurden ermutigt, dass Jesus das Frühgebet und unsere Zweierbibelstudium-Teams als unsere fünf Brote und zwei Fische überreich segnen wird, sodass die jungen Menschen an allen 1.700 Unis und Hochschulen in Europa, sogar bis hin in die muslimische Welt durch Gottes Wort geistlich gespeist, wiedererweckt und zu Gottes überaus großem Heer aufgestellt werden.

Heute wollen wir über Jesu weiteres Glaubenstraining für seine Jünger durch den Sturm auf dem See nachdenken. Lasst uns dadurch lernen, wer Jesus wirklich ist. Durch Jesu Werk der Jüngererziehung lernen wir, durch Sturmtraining zu Jesu Jüngern und zu geistlichen Leitern zu wachsen. Gott helfe uns, auf Jesu Stimme zu hören: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht“ und Jesus in unser Lebensboot einzuladen.

1. Die Jünger auf dem See (16-18)

Nur wenige Stunden waren vergangen, dass Jesus den Glauben seiner Jünger hinsichtlich der Speisung der Fünftausend geprüft hatte. Philippus war krachend durchgefallen, weil er zwar sehr gut berechnen, aber gar nichts zu Jesus bringen konnte. Andreas aber, ein Jünger aus der zweiten Reihe, suchte und fand die 5 Brote und 2 Fische eines Kindes. Vielleicht lachten ihn die anderen Jünger aus, wie man nur so naiv sein und die Lunch-Box eines Kindes zu Jesus bringen könnte. Doch Jesus sah den Glauben und das Verantwortungsbewusstsein von Andreas und freute sich darüber sehr. Jesus segnete diese 5 Brote und 2 Fische überfließend und speiste damit die ganze Menge. Die Jünger lernten dadurch Jesus als den Schöpfergott kennen, während die Menschenmenge in Jesus ihren Bedingungsverbesserer sah und ihn zum „Brotkönig“ machen wollte.

Sehen wir uns die Verse 16 und 17 an: “Am Abend aber gingen seine Jünger an den See, stiegen in ein Boot und fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen.“ Wenn wir diese Begebenheit im Markusevangelium lesen (6,45.46), so erfahren wir, dass Jesus seine Jünger alsbald in das Boot hatte steigen lassen, um vor ihm hinüberzufahren. Jesus selbst, nachdem er das Volk fortgeschickt hatte, ging auf einen Berg, um zu beten. Er mag für das Volk gebetet haben, dass sie Einsicht bekämen, dass er nicht gekommen war, ihr Brotproblem zu lösen, sondern ihre wahre Speise zu werden, die zum ewigen Leben bleibt (6,27). Vor allem betete Jesus für die Zwölf, dass sie durch das weitere Training geistlich wachsen, von falschen Vorstellungen und falschem Lebensziel gereinigt und als künftige geistliche Leiter heranwachsen würden.

Viele Christen denken, dass in einem Glaubensleben immer alles glatt laufen müsste. Einige denken, dass sie kein geistliches Training bräuchten und dass sie sich mit Jesus und in seiner Liebe gut fühlen würden. Solche Menschen sind wie die Menge, die ohne Einsicht Jesus nur für die Verbesserung ihrer Bedingungen missbrauchen, statt an dem geistlichen Kampf Jesu bzw. geistlichen Kampf der Knechte Gottes teilzunehmen. Jesus wollte seine Jünger geistlich schützen. Darum sonderte er sie von der Menge ab und schickte sie mit dem Boot über den See.

Betrachten wir Vers 18: „Und der See wurde aufgewühlt von einem starken Wind.“ Der See Genezareth ist der tiefst gelegene Süßwassersee der Erde: über 200 Meter unter dem Meeresspiegel. Wenn heiße Winde aus der Wüste auf das umliegende Gebirge treffen, entwickeln sich Fallwinde, die auf die Wasseroberfläche des Sees prallen und das Wasser heftig aufpeitschen lassen. Als sich ein starker Wind erhob, mussten die Jünger alle Kräfte aufwenden, um mit ihrem Boot irgendwie die Richtung zu halten. Vielleicht sagten anfangs die erfahrenen Fischer unter ihnen: „Wir schaffen das!“ Doch ihre Kräfte schwanden immer mehr und ihre Situation mitten in der Nacht auf dem aufgewühlten See war mehr als aussichtslos.

Warum hatte Jesus die Zwölf mit dem Boot über den See geschickt? Warum sagte Jesus nicht: „Genießt ein wenig die Euphorie und das schöne Gefühl dieser Menge?“ Jesus wünschte sich von ganzem Herzen, dass die Jünger lernen würden, wer Jesus wirklich ist. Jesus wusste schon, dass sehr bald die Menge und sogar viele seiner Jünger, sich von ihm enttäuscht abwenden und nicht mehr mit ihm gehen würden (6,66). Vor diesem Hintergrund sonderte Jesus die Zwölf von der Menge ab und entschied sich, sie durch das Sturmtraining auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten. Hier lernen wir etwas von Jesu geistlichem Kampf kennen. Sein Fokus war, die Zwölf durch das Training als geistliche Leiter und als entschlossene Jünger Jesu aufzustellen. Dies ist auch für unser Glaubensleben sehr wichtig. Jesus möchte keine „Mitläufer“. Er möchte entschlossene Jünger und Jüngerinnen, die beständig von ihm lernen, die wachsen, die gehorchen und die in seiner Heilsgeschichte als Hauptpersonen gebraucht werden können. Jesus trainierte nicht die große Menge, sondern seine Zwölf. Er interessierte sich auch nicht für diejenigen, die mit Jesus nur ein schönes Gefühl genießen, ihre Bedingungen verbessern und sich am Ende enttäuscht und hochmütig von ihm abwenden würden. Jesus sieht die Herzen der Menschen. Er sieht, welche mit demütigem und zerschlagenem Herzen zu ihm kommen, ihn als den wahren König ihres Lebens annehmen und von ihm lernen und geistlich wachsen wollen. Danken wir Jesus, der seine Jünger von der Menge trennte, sie schützte und trainierte mit der Hoffnung, sie zu geistlichen Leitern zu erziehen und als Hirten für die hirtenlose Menge aufzustellen, die in der Zukunft sogar das Werk Gottes siegreich fortführen würden, trotz Widerstände, Verfolgungen und Leiden.

Früher dachte ich, ein „sturmfreies“ Glaubensleben führen und mit eigener Kraft überleben und mein Leben mit Jesus genießen zu können. Aber weil Jesus mich liebt und mich nicht einfach so lassen wollte wie ich war, schenkte er mir das Privileg, an dem Werk der Jüngererziehung teilnehmen, dadurch Glauben lernen und sogar für das Werk Gottes zusammenarbeiten zu dürfen, obwohl ich die Schule nach der 10. Klasse verlassen hatte und nie an einer Uni studieren konnte. Jesu Gnade ist es, dass er mich zur Lebensgemeinschaft einlud und mir durch den Knecht Gottes eine hervorragende geistliche Ausbildung an der renommierten UBF-Universität geschenkt hat. Nun darf ich sogar intellektuellen Studenten mit dem Wort Gottes dienen und mit meiner Hausgemeinde dem Pionierungswerk an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg dienen. Durch die Dienerschaft für die Hoffnungsträger und Kinder darf ich lernen, wie Jesus für ihr geistliches Wachstum zu beten und ihnen geistlich zu dienen, dass sie als Jünger Jesu wachsen und von Gott als geistliche Leiter und Hauptpersonen in seiner Heilsgeschichte gebraucht werden dürfen.

In diesem Teil durften wir über Jesu Jüngererziehungswerk nachdenken. Jesus trainierte die Zwölf mit der Hoffnung Gottes. Er sonderte die Zwölf von der Menge ab, um sie zu den geistlichen Leitern zu trainieren und sie durch das Sturmtraining auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten.

2. Jesus geht auf dem See (19-21)

Sehen wir uns Vers 19 an: „Als sie nun etwa eine Stunde gerudert hatten, sahen sie Jesus auf dem See gehen und nahe an das Boot kommen; und sie fürchteten sich.“ Gemäß dem Matthäusevangelium (14,26) erschraken die Jünger sogar, schrien vor Furcht und riefen „Es ist ein Gespenst!“ Warum reagierten die Jünger so heftig? Es war, weil sie voller Furcht und Unglauben waren. Sie schauten auf sich selbst, auf ihre ausweglose Lage mitten auf dem stürmischen See. Obwohl sie schon die vier Wunderzeichen Jesu erlebt hatten, waren sie dennoch geistlich unwissend und hatten keinen Glauben. Während Jesus auf dem Berg gebetet hatte, waren sie selbst ohne Gebet geblieben. Als Folge davon waren sie einsichtslos, dass sie nicht Jesus erkennen konnten, der auf dem See zu ihnen kam, sondern nur ein Gespenst sahen und schrien und sich fürchteten.

Wir können sehr gut verstehen, wie sich die Jünger fürchteten, nicht wahr? Kein Mensch kann von sich behaupten, noch nie eine Situation, in der man in große Furcht und Todesangst gerät, erlebt zu haben. Gerade in diesem Jahr 2020 haben wir miterlebt, wie sich plötzlich und unverhofft eine weltweite Pandemie über die Menschheit verbreitet hat. Kein Ort der Welt war und ist davon ausgenommen. Das ganze öffentliche Leben und die Wirtschaft wurden plötzlich weitgehend heruntergefahren. Plötzlich mussten wir zahlreiche Hygiene- und Abstandsregeln einhalten. Nie zuvor hatten wir Mund-Nase-Masken tragen müssen. Nie zuvor wurden solche Geldsummen von den Regierungen zur Verfügung gestellt, um die gravierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen abzumildern. Einige Experten gaben wichtige Ratschläge. Doch viele Menschen leben bis heute in Furcht, Sorge und Ungewissheit. Einige warnten auch, dass die Furcht vor dem Virus gefährlicher sein könnte als das Virus selbst. Furcht begegnet Ungläubigen und Gläubigen gleichermaßen. Entscheidend aber ist, wie wir damit umgehen: Kämpfen wir mit eigener Kraft oder kommen wir zu Jesus?
Warum führte Jesus die Zwölf in solch eine unerwartete, furchterregende und schier ausweglose Situation? Er gab ihnen dieses Sturmtraining, damit sie nicht in Furcht bleiben, sondern durch die Krise geistlich gestärkt werden und zu mutigen und entschlossenen geistlichen Leitern wachsen konnten. Jesus führte sie in diesen Sturm, damit sie lernen würden, an Jesus zu glauben, statt mit eigener Kraft zu kämpfen und unterzugehen.

Wir erfahren gegenwärtig, dass viele geistliche Leiter zu furchtsam geworden sind und sich sogar fürchten die Wahrheit des Wortes Gottes klar zu predigen. Einige fürchten sich, die Anerkennung der anderen Menschen zu verlieren; Sie fürchten sich, nicht dem Mainstream zu entsprechen. Wo sie klare Worte zum Beispiel gegen die verschiedenen Ideologien wie Genderismus und Humanismus reden müssten, ziehen sie sich aus Furcht zurück, schweigen oder schließen Kompromisse. Und wo sie ermutigen und erbauen müssten, haben sie ebenfalls nichts zu sagen. Sie fürchten sich, ihrer Generation mit dem Wort Gottes zu dienen und klare Orientierung aufgrund des Wortes Gottes zu geben. Doch dank sei dem HERRN, der inmitten von gottlosem Humanismus, Liberalismus, Genderismus und Relativismus nicht tatenlos zuschaut, sondern schon längst begonnen hat, ein überaus großes Heer von Jüngern und Jüngerinnen Jesu aufzustellen.

Unsere Nächste Generation Mitarbeiter haben in dieser Woche eine gesegnete Missionsreise nach Ostdeutschland unternommen und das Leben und Jüngererziehungswerk von Martin Luther kennengelernt. Sie lernten, wie Luther sich tagtäglich für das Jüngererziehungswerk einsetzte. Seine Jünger druckten, verbreiteten und bekräftigten Luthers Schriften, durch die die falsche Lehre der Amtskirche jener Zeit klar benannt wurde. Luther fürchtete sich nicht vor der mächtigen Obrigkeit. Vielmehr riskierte er alles, dem Wort Gottes, dem Wort der Wahrheit, zu gehorchen, obwohl er sogar für „vogelfrei“ erklärt wurde. Kennt ihr diesen Begriff „vogelfrei?“ Es bedeutet das Gegenteil von dem, was man mit „frei zu sein wie ein Vogel“ meint. Wer im Mittelalter als vogelfrei galt, konnte von jedem gejagt, gefangen oder sogar getötet werden. Niemand durfte dem Vogelfreien zu Essen geben oder ihm Unterschlupf gewähren, sonst machte er sich damit selber strafbar. Dem Vogelfreien durfte alles weggenommen werden und sogar seine Frau wurde offiziell zur Witwe erklärt. Hätte Luther in seinem Lebenssturm an sich selbst gedacht oder Kompromisse geschlossen, hätte es keine geistliche Erneuerung und keine Erweckung in Europa gegeben.

Heute, mehr als 500 Jahre später, ist eine geistliche Erneuerung mehr als notwendig. Dafür bereitet Jesus auch uns vor. Dafür trainiert er sogar unsere junge Generation, um sie zuzurüsten und zu stärken, dass sie mit klarer Einsicht, klarer Identität und vor allem mit dem lebendigen Wort Gottes den Zeitgeist herausfordern und diesen Kontinent zurück zur Bibel führen. Ein Jugendlicher fragte: „Warum bin ich allein in Gottes Werk? Wo sind alle meine Freunde? Und glauben die nicht auch alle an Gott?“ Wir dürfen ihn ermutigen: „Du bist nicht allein. Viele Freunde sind um Dich herum. Du bist eine Hauptperson im Werk Gottes. Nimm das geistliche Sturmtraining dankbar an, dann wird Gott Dich als einflussreichen geistlichen Leiter gebrauchen und viele durch Dich zur Buße führen.“ Unsere Nächste Generation ist die Hoffnung Gottes für Deutschland und Europa, sogar für die Welt. Satan arbeitet sehr listig, um sie mit falschen Lehren zu versuchen und zu verführen. Darum müssen wir geistlich wachsam bleiben, für sie beten, für sie kämpfen und sie auch trainieren, damit sie mit geistlicher Identität leben und wie Martin Luther für diese Generation als geistliche Leiter wachsen und kostbar in der Geschichte Gottes gebraucht werden. Arbeiten wir in dieser Zeit des geistlichen Sturmes mit dem Knecht Gottes einmütig zusammen. Bereiten wir die beste Umgebung vor, in der Gott durch das kommende GLEF 2020 und durch den 40. Jubiläumsgottesdienst mächtig wirkt.

Was tat Jesus, als er die furchtsamen Jünger sah? Sehen wir uns Vers 20 an: „Er aber sprach zu ihnen: Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Inmitten des tosenden Sturmes und der peitschenden Wellen erschallten die wunderbaren Worte Jesu. Jesus musste laut gerufen haben, damit die Jünger seine Worte überhaupt verstehen konnten: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Hier sagt Jesus 1.) wer er ist: „Ich bin’s“, d.h. „Ich bin Christus der HERR. Glaubt an Gott und glaubt an mich, denn wer mich sieht, der sieht den Vater.“ und 2.) sagt Jesus „Fürchtet euch nicht“, d.h., dass wir überall dort, wo Jesus ist, keine Furcht zu haben brauchen. Furcht ist die Folge der Sünde und rührt aus der zerbrochenen Beziehung zu Gott. Schon nach dem Sündenfall im Paradies gerieten die Menschen in Furcht und versteckten sich vor Gott. Furcht vermag einen Menschen völlig nutzlos und elend zu machen. Furcht lähmt. Furcht lässt untergehen. Furcht zerstört. Furcht ist das Gegenteil von Glauben! Darum: Wie die Jünger dürfen wir auch Jesu Ruf persönlich hören: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Wenn ein Politiker, Sportler oder Schriftsteller dies zu uns sagen würde, hätte dies wenig Bedeutung. Wir müssten uns vermutlich weiter fürchten. Aber wer ist es, der dies zu uns, zu mir und zu dir sagt? Es ist Jesus! Der allmächtige und lebendige Gott. Der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er ist der Gott, der in Matthäus 28,18 spricht: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Er ist der Gott, der in Johannes 16,33 sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Der Psalmist schreibt in Psalm 46: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.“ Und am Ende des Psalms spricht Gott: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.“

Auch Gläubige können in Furcht geraten. Aber für uns darf Furcht niemals zum Normalzustand werden. Als geistliche Leiter müssen wir die innere Furcht überwinden, indem wir auf Jesus schauen und in jeder Lage seine Stimme hören: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ John Wesley (1703-1791) erlebte noch vor seiner Bekehrung Folgendes: Als er 1735 mit einem Schiff nach Georgia reiste, wurde dieses von einem heftigen Sturm gepackt und er bekam es mit der Angst zu tun. Auf dem Schiff befanden sich einige Missionare der Herrnhuter Brüdergemeinde, die zum Erstaunen aller, furchtlos waren. Mitten im Gottesdienst brachen die hohen Wellen über das Schiff, sie aber sangen weiter ihre Choräle. Nach dem Sturm fragte Wesley, ob sie keine Angst gehabt hätten: „Gott sei Dank, nein“ bekam er als Antwort. „Und Ihre Frauen und Kinder?“ „Nein, sie fürchten sich nicht vor dem Tod.“ Dieses Erlebnis gab Wesley viel zu denken. Er erfuhr, dass diese Christen tiefen Frieden mit Gott hatten, den er selbst noch nicht erfahren hatte.

Wir sind durch den Glaubenskampf von Hirtin Joyce inmitten ihres derzeitigen Lebenssturms groß ermutigt. Menschlich gesehen könnte sie voller Furcht sein. Aber Hirtin Joyce hat Jesus in ihrem Lebensboot. Statt auf ihre gesundheitliche Lage oder auf die Lage ihrer Familie zu schauen, schaut sie auf Jesus und hört sein Wort: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Lasst uns weiter für sie beten, dass sie alle Stürme im Blick auf Jesus und im Hören auf sein Wort überwinden und durch die Krise geistlich gestärkt und als eine mutige Frau des Glaubens und Verteidigerin des Evangeliums bis nach Indien von Gott gebraucht wird.

Wie reagierten nun die Jünger, als sie Jesu Stimme vernommen hatten? Sehen wir uns Vers 21 an: „Da wollten sie ihn ins Boot nehmen; und sogleich war das Boot am Land, wohin sie fahren wollten.“ Als die Jünger Jesu Stimme, Jesu Wort, hörten, kam Friede in ihr Herz. Sie kamen sogleich mit ihrem Boot in den rettenden Hafen. Die verschiedenen Stürme des Zeitgeistes und der falschen Lehren, die unentwegt auf unser eigenes Leben, auch auf unsere Kinder, Hoffnungsträger und Hausgemeinden einwirken, lassen uns schnell furchtsam werden. Doch jeder Lebenssturm ist letztlich eine Prüfung und auch Züchtigung, damit wir lernen, absolut auf Jesus zu vertrauen, an seinen Beistand zu glauben und seine Hilfe zu erfahren. Hebräer 12,11 sagt: “Jede Züchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die darin geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit.“ Bei Jesus ist kein Sturm, keine Züchtigung, keine Prüfung vergeblich. Es dient zu unserem Besten. Inmitten des geistlichen Sturmes haben wir das Privileg, auf Jesus zu schauen, seine Stimme zu hören und Jesus als Steuermann in unser Lebensboot einzuladen. Darum: Hören wir Jesu Stimme persönlich: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“

Habt ihr von der Familie der Spaffords gehört? Sie stammten aus Chicago und wollten D.L. Moody während seines Missionsfeldzuges in Großbritannien unterstützen. Horatio Spafford sandte seine Frau zusammen mit ihren vier Töchtern (zw. 2-11 Jahre alt) mit dem Schiff voraus, während er aufgrund von Erledigungen nachkommen wollte. Dann begab sich bei der Überfahrt ein Schiffsunglück auf dem Atlantik, bei dem mehr als 220 Tote zu beklagen waren – auch alle vier Töchter von Horatio und Anna Spafford kamen ums Leben. Als Spafford später nach England reiste, zeigte ihm der Schiffskapitän die Stelle, an der es kurz zuvor zu dem Unglück gekommen war. Da entstand das uns allen bekannte Lied „Mir ist wohl in dem HERRN“. Inmitten des allergrößten Lebenssturms konnte Horatio Spafford auf Jesus schauen, Jesus in sein Lebensboot holen und Frieden mit Gott haben.

Wir erinnern uns an Josef im Alten Testament. Wegen des Neides seiner Brüder, die ihn sogar töten wollten, wurde er an eine Karawane von Händlern verkauft, die nach Ägypten zogen. Dort wurde Josef ein Sklave im Hause des Potifars. Josef gab immer sein Bestes. Aber doch kam ein Sturm nach dem anderen über sein Leben. Die Frau seines Herrn verleumdete ihn, sodass er ins Gefängnis kam. Im Gefängnis lebte er als Hirte für die Mitgefangenen. Doch auch diese vergaßen ihn. Schließlich konnte er mit Gottes Hilfe die Träume des Pharaos deuten. Da erhöhte Gott ihn und stellte ihn zum zweitmächtigsten Mann in Ägypten auf. Von Josef können wir lernen, dass er inmitten aller Lebensstürme an die Souveränität Gottes glaubte. Da konnte er stets seine schicksalhafte Lage überwinden und am Ende bezeugen (1. Mose 50,20): „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.“

Manchmal denken wir, dass ein Lebenssturm zu stark wäre und dass wir untergehen würden. Aber wie die Jünger, möchte Gott uns gerade durch den Sturm trainieren und uns lehren, absolut an seinen Beistand und an seine Fürsorge zu glauben und Jesu Stimme zu hören: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Jesus ist Gott. Er ist der Allmächtige. Er ist der Schöpfer. Wind und Meer sind ihm gehorsam. Mit Jesus im Lebensboot dürfen wir inmitten des schwersten Sturmes standhaft sein und ohne Furcht weiterziehen. Mit Jesus werden wir das sichere Ufer erreichen.

Heute haben wir gelernt, dass Jesus seine zwölf Jünger von der Menge absonderte, um sie durch das Sturmtraining zu geistlichen Leitern zu erziehen. Wir lernen auch, dass wir im Sturm auf Jesu Wort hören und ihn in unser Lebensboot einladen dürfen. Viele junge Menschen werden von den verschiedenen falschen Lehren des Zeitgeistes wie in einem Sturm hin- und her getrieben und verführt. Wir dürfen ihnen mit dem Wort Gottes dienen und 10.000 Zweierbibelstudium-Teams bilden. Beten wir, dass zahlreiche Studenten in ihrem Lebenssturm durch das Bibelstudium erkennen, wer Jesus ist, sodass sie nicht mit eigener Kraft kämpfen und in Furcht und Hilflosigkeit bleiben, sondern Jesus begegnen, der ihren Lebenssturm stillt und spricht: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Beten wir, dass unsere Hoffnungsträger Jesus als Steuermann in ihr Lebensboot aufnehmen und durch das Sturmtraining zu Jüngern Jesu wachsen. Lasst uns mit Hesekiel 37,10 erfahren, dass geistlich tote Gebeine lebendig werden und dass durch geistliches Training gestärkte Leiter und Hirten als Gottes überaus großes Heer für die Weltmission gebraucht werden.

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